Die Studie beleuchtet nationale Vorstellungen von prominenten Professoren der Zeit vor 1880, deren Denken und Handeln sich innerhalb einer bildungsbürgerlichen Elite zum Nationalismus verdichtete. Dieser Nationalismus war durch lebensgeschichtliche Erfahrungen sowie durch die traditionale, überindividuelle Mentalität geprägt. Die Autorin analysiert die bewussten wie die kaum reflektierten Auffassungen und bietet eine empirisch fundierte Zusammenschau der Rolle der Weichensteller des Nationalismus.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.02.2002
Rezensent Dieter Langewiesche sieht Hedda Gramleys Untersuchung im "Verschnitt von drei Ansätzen", die sich normalerweise gegenseitig ignorieren: Konstruktivismus, Modernisierungstheorie und Mentalitätsgeschichte lauten seine drei Schlagworte. Gramley führe in die "Diskursschlacht" des 19. Jahrhunderts, an deren vorderster Front Universitätsprofessoren (Historiker, Theologen, Nationalökonomen) um den richtigen Begriff von Nation und Volk stritten. Kaum einer der Diskutanten zweifelte, streicht Langewiesche heraus, an der preußischen Mission zur nationalen Einigung. Als eines der größten Hindernisse auf dem Weg zur nationalen Einigung galt die konfessionelle Trennung der Länder. Ist dieser preußische "Professorennationalismus", wie Langewiesche ihn nennt, nun typisch für diesen Berufsstand, oder liegt es an Gramleys Auswahl? Nur zwei katholische Vertreter wurden berücksichtigt, bemerkt der Rezensent. Langewiesche argwöhnt deshalb, dass Gramleys ansonsten vorzügliche Untersuchung, die eine breite Palette an gesellschaftspolitischen Entwürfen vor Augen führe, im Nachhinein "im Banne des Siegers" stehe: des protestantischen Preußen.
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