"Der große Stil entsteht, wenn das Schöne den Sieg über das Ungeheure davon trägt", postulierte Friedrich Nietzsche. Doch kaum ein anderer Begriff bereitet der ästhetischen Debatte ähnliche Probleme wie der Stil. Als ein Prinzip, das sich auf Künstlichkeit und Schein gründet, geriet der Stil zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den Verdacht der Antiquiertheit. Karl Heinz Bohrers Essays verteidigen das Prinzip des Stils als Voraussetzung künstlerischen Ausdrucks - und finden gerade in Nietzsches Reflexionen über den Stil die Grundlagen der Moderne. Und sie benennen die Defizite einer Gesellschaft, die im Namen einer überschätzten Authentizität glaubt, auf Stil verzichten zu können.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2007
"Entspannter könnte das aussehen", ruft Ludger Lütkehaus Karl-Heinz Bohrer in einer Paraphrase von Nietzsches Parodie auf die unerlöst wirkenden Christen zu. Die Abwesenheit von Ironie, die Bohrer Nietzsche vorwirft, treffe auch auf seinen eigenen Text zu, am Ende verkomme die Forderung nach mehr Ästhetik und Stil zu einer "angestrengten" normativen Ethik. In seinem Eifer, Nietzsche als "Kronzeugen" gegen die ästhetische Verwahrlosung der Gegenwart zu instrumentalisieren, vernachlässige Bohrer völlig die dunklen Seiten von Nietzsches Philosophie und der damit auf Engste verknüpften Sprache. Schlau seien die Ausführungen schon, meint der Rezensent, informiert und reich an "Scharfsinn und Schärfe". Doch die engführende "Obsession" Bohrers stößt dem Rezensenten schließlich unangenehm auf.
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