Ein bisschen dicke findet Rezensent Ludger Lütkehaus in diesem Band die medientheoretischen Überhöhungen aufgetragen. So will der Kommentar nicht weniger als das Ende der "Metaphysik der Handschrift" darin erkennen, dass Nietzsches sich eine Schreibmaschine angeschafft hat. Man kann es auch einfacher haben: Der arme Mann war fast erblindet und brauchte eine Schreibhilfe. Leider kam er auch mit seiner Kopenhagener Malling-Hansen nicht besonders gut zurecht, so dass sich die Schreibmaschinentexte auf 15 Briefe und einige kinderreimartige Verse beschränken. In ihnen will Lütkehaus einen vergnügteren Nietzsche als üblich erkennen, womit ihm der Wert dieser Edition hinreichend gewürdigt scheint. Über "Medienwissenschaft at ist best" spöttelt Lütkehaus dann aber wieder, wenn der Kommentar in Nietzsche Schreibmaschine den ersten Laptop der Philosophiegeschichte" erkennen will.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.02.2003
Der mit "mim" zeichnende Rezensent zeigt sich angetan von dieser ersten vollständigen Ausgabe von Nietzsches Schreibmaschinentexten, die nun Stephan Günzel und Rüdiger Schmidt-Grepaly herausgegeben haben. Als erster Philosoph hatte Nietzsche die Schreibmaschine benutzt, und anscheinend habe sich das Schreibzeug auch auf Inhalt und Form dessen, was er damit schrieb, ausgewirkt. Kurz und prägnant, ohne Pathos und Grimmigkeit seien Prosa und Poesie, die er darauf verfasste. Der kritische Kommentar dieser Ausgabe und ihr "lesenswerter Einleitungstext" machen die Lektüre dieses Bandes zudem zu einer überaus dankbaren Angelegenheit, so der Rezensent lobend.
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