Karen Duve

Macht

Roman
Cover: Macht
Galiani Verlag Berlin, Berlin 2016
ISBN 9783869710082
Gebunden, 416 Seiten, 21,99 EUR

Klappentext

Frauen haben die Regierung an sich gerissen, Pillen geben ewige Jugend, religiöse Endzeitsekten schießen wie Pilze aus dem Boden und ein genervter Mann kettet seine Frau kurzerhand im Keller an. Wir schreiben das Jahr 2031: Staatsfeminismus, Hitzewellen, Wirbelstürme, Endzeitstimmung und ein 50-jähriges Klassentreffen in der Hamburger Vorortkneipe "Ehrlich". Dank der Verjüngungspille Ephebo, der auch Sebastian Bürger sein gutes Aussehen verdankt, sehen die Schulkameraden im besten Rentenalter alle wieder aus wie Zwanzig- bis Dreißigjährige, und als Sebastian seine heimliche Jugendliebe Elli trifft, ist es um ihn geschehen. Wen interessiert es da noch, dass die Krebsrate von Ephebo bei 60 Prozent innerhalb der nächsten zehn Jahre liegt?
Alles könnte so schön sein, wäre da nicht Sebastians Frau, die ehemalige Ministerin für Umwelt, Naturschutz, Kraftwerkstilllegung und Atommüllentsorgung, die er seit zwei Jahren in seinem Keller gefangen hält. Dort muss sie ihm seine Lieblingskekse backen und auch sonst in jeder Hinsicht zu Diensten sein. Seiner neuen Liebe steht sie jetzt allerdings im Weg. Bei dem Versuch, sich seine Frau vom Hals zu schaffen, löst Sebastian eine Katastrophe nach der anderen aus.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.02.2016

Alexander Kosenina spricht eine klare Warnung aus: Gewaltopfer und Menschen ohne distanzierten Blick sollten Karen Duves Roman lieber nicht lesen. Denn, was als mitunter recht plakativer, eindimensionaler dystopischer Blick auf das Jahr 2031 beginnt, auf Staatsfeminismus, Klimakatastrophen, Ökodiktatur, meint Kosenina, geht als veritable Horrorshow im Folterkeller des Protagonisten weiter, als Ausbuchstabierung übelster Hass-, Rache- und Vergewaltigungsfantasien eines Ökospießers. Verstörend, beklemmend, aber auch mitreißend findet der Rezensent Duves Psychopathografie, die ihn die entfesselte Triebnatur, das scheint ihm neu zu sein, aus der Täterperspektive erleben lässt.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.02.2016

Frauke Meyer-Gosau hat nichts übrig für Karen Duves Zukunftsvisionen. Sterbensöde vorhersehbar, meint sie. Und auch Duves eigentliches Thema, die Rachlust des staatsfeministisch erniedrigten Mannes, haut Meyer-Gosau nicht um. Duves brutal inszeniertes Machtspiel hat den muffigen Odem und die Enge der 70er, findet sie. Wenn der entgrenzte Mann am Ende dann auch noch sein Herz entdeckt, steigt die Rezensentin endgültig aus: Reaktionär!
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.02.2016

Katharina Granzin warnt uns vor Karen Duves neuem Roman, der sei kein Ponyhof, wie schon der grellgelbe Umschlag signalisiere. Identifikation mit der Figur (eines Psychopathen) darf nicht erwartet werden, meint Granzin. Und: Die Fiktionalisierung wirkt in diesem Fall kaum mildernd. Zumal die Autorin sich für ihr Buch authentischer Psychopathengeschichten bedient. Umso erstaunlicher, dass Granzin dem widerwärtigen Protagonisten, der seine Frau im Keller schindet, durchaus auch komische und identifikatorische, in jedem Fall aber unvergessliche Momente abzugewinnen vermag. Problematisch findet Granzin etwas anderes. Dass Duve die Leserin nämlich mit all ihrem Weltekel überfällt in dieser dystopischen Vision und vom klimavernichtenden Rapsbauern bis zum männlichen Smartphonebesitzer alles abwatscht. Für Granzin bei allem Unterhaltungswert des Buches dann doch ein bisschen zu viel des Guten beziehungsweise Schlechten.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.02.2016

Karen Duve versucht sich in ihrem Roman "Macht" an einer Satire der Gesellschaft von morgen und scheitert dabei an fehlender Ambivalenz, meint Rezensent Ijoma Mangold. War zum Beispiel in Michel Houellebecqs "Unterwerfung" noch Raum für kluge Bösewichte war, mit denen man sich trotz allem identifizieren konnte, sind bei Duve nur Sadisten, zynische Idioten und tumbe Extremisten Sand im Getriebe von Öko-Diktatur und Staatsfeminismus, kritisiert der Rezensent. Duve erkauft den Mangel an Zweideutigkeiten mit einer radikale Vereinfachung, die den Fortlauf des Buches furchtbar berechenbar macht, bedauert Mangold, der sich wundert, dass die Autorin beim Schreiben nicht eingeschlafen ist.