Klappentext

Aus dem Ukrainischen von Sabine Stöhr. Otto von F., Literaturstudent aus der Westukraine, lebt in Moskau, dem "fauligen Herzen des halbtoten Imperiums". Im Wohnheim des Gorki-Instituts hocken die poetischen Hoffnungen aus der sowjetischen Provinz aufeinander, künftige Vertreter der jungen Nationalliteraturen, die Gedichte in mittelalterlichem Jiddisch, ukrainische Verspoeme und usbekische Songstrophen verfassen. Es ist Anfang der neunziger Jahre, die Stimmung gereizt, der Wodka knapp ?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.01.2007

Maike Albath begrüßt begeistert, dass der bereits 1993 im ukrainischen Original erschienene Roman "Moscoviada" nun auch auf Deutsch vorliegt und sie bejubelt ihn stürmisch als aberwitzige Russland-Parabel, die, wie sie weiß, Juri Andruchowytsch zu einem der gefeiertsten Schriftsteller in der Ukraine gemacht hat. Es handelt sich dabei um eine eintägige Höllenfahrt des Literaturstudenten Otto von F. durch Moskau, bei der er von einem verrückten Abenteuer ins nächste stolpert und in der sich exemplarisch die prekäre Lage der einstigen Supermacht Sowjetunion spiegelt, erklärt die Rezensentin. Unverkennbar seien Anlehnungen an Dantes "Göttliche Komödie" und Homers "Odyssee" und der Roman spiele unentwegt auf Besonderheiten der slawischen Geschichte und Kultur an, die in einem Anhang erklärt werden, wie Albath dankbar feststellt. Auch stilistisch entpuppt sich "Moscoviada" als abenteuerlich, was von der Übersetzerin Sabine Stöhr sehr gelungen ins Deutsche gebracht wird, so die Rezensentin begeistert. Dass sich die in ihrem Aberwitz immer weiter überbietenden Episoden nicht irgendwann abnutzen, sieht die hingerissene Rezensentin dem Geschick Andruchowytschs geschuldet, der das Tempo des Geschehens virtuos steuert, und so ist die Rezensentin vollkommen von diesem Roman in den Bann gezogen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.10.2006

Wild und ungezügelt geht es im Roman des Ukrainers Juri Andruchowytsch zu, der einen Tag aus dem Leben des Schriftstellers "Otto v. F." als ein "phantastisches Panoptikum des Untergangs" in Moskau im Jahr 1991 schildert, berichtet Jörg Magenau. Kurz gefasst lasse sich die delirierende Stimmung des russischen Imperiums auf die Situation in einem Imbiss verknappen: "Die Suppe ist alle und auch die Suppenteller werden knapp", zitiert der Rezensent aus dem Buch. Der labile Held versuche, als Ukrainer immer einer der letzten im Alphabet des Bürokratismus, die Gespenster der Geschichte literarisch zu bannen, was natürlich scheitern muss, denn weder Kugeln noch Worte hätten jemals zu Verbesserungen geführt. Zwischen Wahn und Wirklichkeit lässt sich nur noch das Groteske, der "Zwischenraum des Absurden" beschreiben. Obwohl der Roman bereits 1993 in der Ukraine erschienen ist, findet ihn der Rezensent noch erstaunlich frisch, was vielleicht auch an der postmodernen Montagetechnik aus Versatzstücken der Literaturgeschichte liege.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.09.2006

Als "burlesken Abgesang auf die Sowjetunion" betrachtet Wolfgang Schneider dieses 1993 erschienene Werk Juri Andruchowytschs, das nun in deutscher Übersetzung vorliegt. Der Roman über den ukrainischen Literaturstipendiaten Otto von F., der im Moskauer Wohnheim des Gorki-Instituts an einem Versepos werkelt und an einem Samstag im Mai unversehens in die Moskauer Unterwelt und dann in eine Verschwörung zur Rettung der Sowjetunion gerät, hat Schneider sichtlich gefallen. Gespannt folgt er dem alkoholgeschwängerten Trip des Otto von F. durch Wohnheimduschen, schäbige Trinkhallen und die von verrückten Wissenschaftlern bevölkerten Katakomben der Stadt. Er liest das mit Elementen aus Science-Fiction, Horrorfilmen und Unterweltklassikern von Dante bis Poe spielende Werk als eine "allegorische Phantasie", in der bei aller Verspieltheit für Schneider auch die Angst aufscheint, die unabhängig gewordenen ehemaligen Sowjetstaaten könnten sich, ermattet von der eigenen Korruption und Unfähigkeit, wieder Moskau zuwenden. Ein besonderes Lob zollt Schneier dem "glänzenden" Stil des Autors sowie der "glänzenden" Übersetzung von Sabine Stöhr.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.09.2006

Der Titel des in der Ukraine zum Kultbuch avancierten Romans ist fast schon eine "Art Gattungsbezeichnung", findet Helmut Böttiger. Ein absurdes, auf das sowjetische Moskau abgestimmte, "zwischen dem Altrussischen und der Moderne gespannte Groteske", die sich aus dem existentiellen Fundus der abendländischen Literatur bediene, von Dante bis Gogol. Im Mittelpunkt steht der Schriftsteller Otto von F., dem ein Stadtschreiberstipendium in Russlands Hauptstadt zugeteilt wird und der sich zusammen mit weiteren Kollegen aus allen Ecken des Riesenreiches eine Plattenbauwohnung teilt. Andruchowytschs mixe eine satte und süffige Prosa mit Stilelementen der "Sowjet-Fantasy" und des "Sowjet-Pop", meint der Rezensent zu erkennen. Herausgekommen sei ein Selbstfindungstrip als Höllenfahrt, die gar nicht schwarz, sondern sehr bunt und schwer zu fassen sei.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 19.08.2006

Rezensent Christoph Schröder hat die Lektüre von Juri Andruchowytschs Roman aus dem Jahr 1993 einigen Spaß gemacht. Gern ließ er sich noch mal in die Wildheit des von Fäulnis befallenen Herzens des gerade untergegangenen Sowjetreiches versetzen und macht auch die Extremtouren von Protagonist Otto von F. durch Suff, Sex und Literatur gern mit. Durchquert mit Wonne Unter- und Gegenwelten, Moskauer Eingeweide und feiert postsowjetische Orgien mit. Trotzdem behält er einen nüchternen Kritikerkopf und gibt kühl zu Protokoll, dass dies alles schön und gut, aber doch nicht wirklich große Literatur sei. Dass all das Extreme an diesem Buch auch viel von Pose hat und Andruchowytsch als postsowjetischer Exot eine ähnliche Position auf dem deutschen Markt besetzt, wie Wladimir Kaminer, Karel Gott oder Iwan Rebroff. Zu Gute hält der Rezensent dem Autor allerdings ein "ernsthaftes Anliegen" und beträchtliches Talent.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.08.2006

Als ebenso "vergnügliche wie lehrreiche" Lektüre empfiehlt Ulrich M. Schmid den neuen Roman des ukrainischen Schriftstellers Juri Andruchowytsch. In "Moscoviada" setzt Andruchowytsch Moskau ein Denkmal seiner Hassliebe, denn von hier ging zwar der russische Imperialismus aus, doch hierhin führten auch alle Wege der kulturellen Intelligenzia. Hierhin kommt auch Otto von F., an's Literaturinstitut, womit er ganz Alter Ego des Autors ist. Die Ereignisse lassen den Helden die Höhen des russischen Studentenlebens im Wohnheim erleben (mit seinem charakteristischen Geruch aus "Müllschlucker, Alkoholfahne und Sperma") und die Abgründe der Staatsgewalt: Der KGB zwingt den Helden, selbst Spitzel zu werden. Sehr erhellend und überzeugend findet der Rezensent, wie Otto von F. seine Identität aus der Ablehnung Moskaus gewinnt, was er im Roman weitaus komplexer dargestellt sieht als im Nachwort zur deutschen Ausgabe.