Julien Green

Fremdling auf Erden

Erzählungen
Cover: Fremdling auf Erden
Carl Hanser Verlag, München 2006
ISBN 9783446207370
Gebunden, 180 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Elisabeth Edl. Ein junger Mann, Waise, entflieht dem Haus seines Onkels, um in Fairfax aufs College zu gehen. Ohne eine Menschenseele zu kennen, trifft er dort ein und mietet ein möbliertes Zimmer. Wenig später zieht man seine Leiche aus dem Fluss ... "Fremdling auf Erden", eine der frühen Novellen Julien Greens, gehört zu den Glanzstücken seines Werkes und liegt nun zusammen mit "Die Schlüssel des Todes", "Christine" und "Leviathan" endlich in einer neuen Übersetzung vor.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.07.2007

Rezensent Niklas Bender begrüßt diesen Band mit vier frühen Erzählungen von Julien Green, die bereits Themen und Erzählkunst seines späteren Werks ankündigen und nun erstmals in deutscher Übersetzung vorliegen. Er würdigt den 1998 verstorbenen, amerikanisch-französischen Schriftsteller als "Meistererzähler" und "großen Gläubigen" des vergangenen Jahrhunderts. Literatur der erbaulichen Art sollte man bei Green gleichwohl nicht erwarten: Der Weg zum Glauben führt nach Ansicht Benders beim Katholiken Green über das Grauen. Der "unheimlichen Welt", die Green in seinen Erzählungen erschafft, kann er sich kaum entziehen. Dabei sieht er den Autor in der Nähe zur surrealistischen Erforschung des Unbewussten. Am besten hat ihm dabei die Erzählung "Die Schlüssel des Todes" über die Themen Schuld und Verderben gefallen, in der Green meisterhaft in die "zwielichtigen Psycholabyrinthe" seiner Figur führe.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.12.2006

Rezensent Dieter Borchmeyer jubelt den Erzählband Julien Greens "zum Wesentlichsten, was uns das Literaturjahr 2006 beschert hat" empor. Für ihn liegt das Besondere in Greens Geschichten darin, dass hier eine "Realitätstreue, impressionistisch-musikalische Stimmungsgedichte und übernatürliche Transparenz" gemischt wird und so ein origineller Sound entsteht. Green erzähle seine Geschichten aus unterschiedlichen Perspektiven: In der Titelerzählung beispielsweise bringt sich ein Student um, seine Aufzeichnungen lassen das Bild entstehen, ihn hätte die übermäßige Literatur von Schauergeschichten in den Wahn getrieben. Augenzeugenberichte - die zweite Perspektive - stellen diese Aufzeichnungen in Frage, zurück bleibe ein "ungelöster Fall". Der Leser muss nach Ansicht des Kritikers übrigens nicht zum Original greifen, die Übersetzung von Elisabeth Edl treffe den Ton Greens "kongenial". Und auch das Nachwort von Wolfgang Matz lohnt die Lektüre: Er liefere "subtile Einblicke" in des Autors Welt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.07.2006

Der Rezensent Helmut Mayer ist begeistert von diesen Erzählungen Julien Greenes, die seiner Meinung nach die Qualitäten des französischen Schriftstellers noch deutlicher hervorstechen lassen als seine Romane aus derselben frühen Schaffensphase. Das Geheimnisvolle an dem Autor, der nach Andre Bretons Worten vollkommen die "ecriture automatique" pflegte, lösen die Geschichten zwar nicht auf. Sie sind aber gutes Anschauungsmaterial für die Rätsel, die seine Form von Literatur dem Leser aufgibt: Sie "wirkt realistisch und gleichzeitig wie der Ausdruck seherischer Innenschau". Trotzdem, staunt Mayer, wirke nichts an den Erzählungen verschwommen, "alles bleibt klar ausgeprägt". Nach Mayers Meinung ist der Autor hier ganz "auf der Höhe seiner Kunst."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.06.2006

Schön "unheimlich" seien bereits diese frühen Erzählungen Julien Greens, schwärmt Rezensent Joseph Hanimann, nicht zuletzt dank der hervorragenden neuen Übertragung von Elisabeth Edls. Auch enthielten die vier Texte schon alle wesentlichen Motive und Qualitäten des Autors, wobei "Die Schlüssel des Todes" geradezu als frühes Meisterstück angesehen werden müsse. Eine Art Herzensangelegenheit des Rezensenten ist es, Julien Green gegen frühe Interpreten in Schutz zu nehmen, die ihn als religiösen Schriftsteller entstellt hätten. Nein, Bibelmotive oder Kruzifixe bei Julien Green vergrößerten ganz im Gegenteil die "Deutungsoffenheit" der Texte beziehungsweise das Fremdsein der Figuren. Der Leser, offeriert Joseph Hanimann, könne nun, dank auch eines informativen Nachworts, Julien Greens frühe Erzählungen neu entdecken.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.04.2006

Schon diese frühen vier Erzählungen seien bester Julien Green, meint Rezensent Martin Meyer, denn sowohl die Stoffe als auch die stilistischen Möglichkeiten dieses Autors seien von Anfang an da gewesen. Obwohl Julien Green bekennender Katholik gewesen sei, so der Rezensent, komme sein Schreiben noch "bodenloser existentialistisch" daher als bei Franz Kafka, bei dem immerhin noch leise Ironien spürbar seien, wenn es ums Metaphysische gehe. Charakteristisch für Julien Green seien auch schon in diesen frühen Erzählungen aus den Jahren 1924 bis 1927: "diffuse Einsamkeit, das Kreisen um mögliche Identität, Schatten familiärer Qualen" und eine Bewegung zum "Mystischen", ohne Ankunft. Rezensent Martin Meyer versteht Julien Greens frühe Erzählungen als "Präludien auf jene großen Romane, in denen solches Verhängnis bald vielstimmig aufklingt".