Gaius Valerius Catullus (ca. 86-54 v.Chr.) war einer der ganz großen Dichter der römischen Republik. Seine Werke allerdings sind alles andere als leicht zugänglich und geben Rätsel auf. Julia Haig Gaisser arbeitet die Widersprüche im Leben und der Dichtung Catulls gekonnt heraus: Einerseits ist da der wenig respektvolle Zyniker aus reichem Hause, der in seinen Gedichten bedeutende Zeitgenossen wie Caesar und Cicero mit beißendem Spottüberzieht. Auf der anderen Seite erleben wir ihn als feinfühligen Liebenden und Verehrer der griechischen Poetin Sappho. Mit dieser Einführung in sein facettenreiches Gesamtwerk ist der Autorin eine knappe, gut lesbare Darstellung von Leben, Werk und Wirkung des Catull gelungen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.02.2013
Im Vergleich zu Vergil und Horaz, den kanonische Riesen der lateinischen Dichtung, ist Gaius Valerius Catullus zwar ein eher kleiner Autor, aber dem heutigen Leser womöglich zugänglicher, glaubt Burkhard Müller. Zu Beginn ihrer Monografie "Catull" weist Julia Haig Gaisser auf zwei "scheinbare Hindernisse" hin: vieles ist obszön und alles ist auf Latein. Obszönes findet der Rezensent eher verlockend, das Latein allerdings mehr als ein 'scheinbares' Hindernis. Aber auch wenn manche von Gaissers Analysen wohl nur Menschen zugänglich sind, die sich intensiv mit lateinischer Metrik beschäftigt haben, kann sich der Leser durch die klare Strukturierung ihres eigenen Buches leicht orientieren, erklärt der Rezensent. Es bleibt reichlich Lehrsames übrig, wie zum Beispiel Gaissers Ausführungen zur römischen Sexualität, die sich nicht so sehr über das Geschlecht oder Hetero- und Homosexualität versteht, sondern über Penetrator und Penetriertem. Nur eines bedauert Müller: dass die Autorin die Rezeptionsgeschichte nur bis 1600 verfolgt. Er fände es schade, wenn seitdem nur museales Interesse an Catullus bestehe.
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