Julia Franck

Rücken an Rücken

Roman
Cover: Rücken an Rücken
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2011
ISBN 9783100226051
Gebunden, 320 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Ostberlin, Ende der 50er Jahre. Die Geschwister Ella und Thomas wachsen auf sich allein gestellt im Haus der Bildhauerin Käthe auf. Sie sind einander Liebe und Gedächtnis, Rücken an Rücken loten sie ihr Erwachsenwerden aus. Ihre Unschuld und das Leben selbst stehen dabei auf dem Spiel. Käthe, eine kraftvolle und schroffe Frau, hat sich für das kommunistische Deutschland entschieden. Leidenschaftlich vertritt sie die Erfindung einer neuen Gesellschaft, doch ihr Einsatz fordert Tribut. Im Schatten scheinbarer Liberalität setzen Kälte und Gewalt Ella zu. Während sie mal in Krankheit flieht und mal trotzig aufbegehrt, versucht Thomas sich zu fügen, doch nur schwer erträgt er die Erniedrigungen und flüchtet in die unglückliche Liebe zu Marie.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.11.2011

So ganz kann Rezensent Christopher Schmidt die überwiegend negative Kritik an Julia Francks neuem Roman "Rücken an Rücken" nicht unterschreiben. Gut, auch Schmidt findet den Symbolgehalt mancher Motive nicht immer besonders tiefsinnig, die Kindersprache des im Vordergrund stehenden Geschwisterpaares hat auch ihn auf Dauer genervt und Francks Versuch, das Zeitkolorit der DDR heraufzubeschwören, erscheint ihm doch allzu bemüht. Aber eines stellt der Kritiker deutlich heraus: Die tragische Geschichte um die Geschwister Ella und Thomas, die zunächst von ihrer Mutter, einer emotionslosen Bildhauerin, vernachlässigt und gedemütigt werden und später unter der politischen Diktatur der DDR leiden, zieht den Leser in einen ganz unwiderstehlichen Bann. Bei aller teils überzogenen Drastik der Geschehnisse - die Mutter ist eine traumatisierte KZ-Überlebende, die Tochter wird gleich zweimal vergewaltigt und der Sohn wird bei einem Praktikum in einem Steinbruch systematisch erniedrigt - hält der Rezensent Franck zugute, dass sie all die Unerträglichkeiten mit kühler Distanz und "Nonchalance" schildert. Und so lässt er sich nicht davon abhalten, diesen Roman als "radikal subjektives" Buch über die DDR zu empfehlen.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 19.11.2011

Julia Francks Roman "Rücken an Rücken" hat Anja Maier nicht kalt gelassen. Die Geschichte zweier Geschwister, die in der DDR aufwachsen und von ihrer Mutter, einer kalten, rigiden, zynischen Bildhauerin und Ost-Ideologin, und anderen Personen vernachlässigt, misshandelt, missbraucht werden, hat bei ihr ein Gefühl zwischen Faszination und Widerwillen ausgelöst. Ja, manche Szenen, in denen die Kinder gequält werden, hungern, frieren, scheinen ihr schier unerträglich. Sie berichtet, dass Franck in dem Buch auch ihre eigene Familiengeschichte verarbeitet hat, die beschriebene Bildhauerin war ihre Großmutter, die DDR-Bildhauerin Ingeburg Hunziger. Beeindruckend findet Maier die "sehr bildhafte" Sprache der Autorin, die "ohne Scheu" erzählt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 03.11.2011

Verärgert zeigt sich Hubert Winkels von diesem neuen Roman Julia Francks, die er von ihren vorigen Büchern durchaus als wache und lebendige Erzählerin in Erinnerung hat. Doch mit "Rücken an Rücken" scheint sie alles falsch zu machen. Spröde und distanziert sei ihr Stil, klagt Winkels, als wäre die DDR, von der sie erzählt, ein vor Jahrhunderten untergegangenes Reich. Unverzeihlich aber findet Winkels den Plot, die Geschichte eines Geschwisterpaars in den deutschen Zeitläuften: Der Vater ist im Krieg ums Leben gekommen, das Mädchen wird erst von ihrem Stiefvater, einem Kommunisten und ehemaligen KZ-Häftling, sexuell missbraucht, dann von  dessen Freund, einem Stasi-Mann; die jüdische Mutter, eine Bildhauerin, macht dagegen den Bruder zum - entblößten - Objekt ihrer Kunst. "Derart unlauter", schimpft Winkels, "hat sich der Wille zur gehobenen Unterhaltung selten offenbart".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.10.2011

Mit Julia Francks fünftem Roman "Rücken an Rücken" geht Felicitas von Lovenberg hart ins Gericht. Zunächst einmal hat die Rezensentin hier zu viele aufeinanderfolgende Extremsituationen gelesen: Eine Mutter, erfolgreiche und eiskalte Bildhauerin, die ihren ersten Mann im Krieg verloren hat, vernachlässigt ihre Kinder Ella und Thomas so brutal, dass diese beschließen, wegzulaufen. Während die magersüchtige Ella, nicht nur vom zweiten Mann ihrer Mutter vergewaltigt wird, sondern auch von deren Untermieter, erlebt ihr Bruder einen Missbrauch durch das DDR-Regime: als Arbeiter in einem Steinbruch wird er bis zum Zusammenbruch gequält. Auch sprachlich hat der Roman die Rezensentin leider nicht überzeugt. Neben zu vielen einfachen Metaphern und Tautologien erscheint Lovenberg auch Francks Erzählton bisweilen zu "schwülstig". Erst im letzten Teil des Romans, der sich ganz auf Thomas' Medizinstudium und seine Liebe zu einer Krankenschwester konzentriere, hat die Kritikerin die starke Autorin der "Mittagsfrau" wiederentdeckt.
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