Jürgen Nendzas neue Gedichte erinnern mit sprachlicher Sinnlichkeit und feinem Gespür an das, was in der Welt verloren geht, und erweisen sich als Seismographen des Verletzlichen. Dabei versetzen sie uns immer wieder ins Staunen. Sei es über die Formationen von Starenwolken, über die schlankstämmige Eberesche oder über Mausohren im Kreisverkehr. Die Panoramen reichen von den Topographien industrieller Zerstörung bis zum Labyrinth der Mythologie, verschmelzen Natur- und Denkräume und überführen genaueste Beobachtung im Detail zu einem lyrischen Fluss, in dem sich innere und äußere Zeit auflösen und Unscheinbares am Rande der Wahrnehmung erkennbar wird.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.06.2022
Rezensent Harald Hartung gefällt gleich der erste Zyklus aus acht Dreizeilern am besten im neuen Gedichtband des Naturlyrikers Jürgen Nendza. Da widmet sich der Dichter laut Hartung dem rheinischen Tagebau und seinen Abraumhalden und "evoziert" das Malmen der Bagger. Trotz Pathos macht das dem Rezensenten Spaß. Konventioneller dagegen laut Hartung die weiteren Zyklen im Band über Bäume und "Kretisches Gelände". Da hätte er sich mehr "ekstatischen Kranichtanz" gewünscht.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 10.05.2022
Rezensent Nico Bleutge kann über einige wenige gewollt wirkende Momente leicht hinwegsehen in Jürgen Nendzas Gedichten. Wenn der Autor mit der "Sprachschaufel" Sprachschicht um Sprachschicht aufdeckt, Bildteilchen schweben lässt, Schnitte ins Gelände setzt, mal auf Kreta, mal im heimischen Braunkohlerevier, und alles mythologisch und rhythmisch gestaltet, kommt Bleutge auf seine Kosten. Vor allem der Rhythmus der Texte aus harten Schnitten und kompositorischen Wechseln nimmt Bleutge gefangen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.04.2022
Rezensent Lothar Müller geht mit Jürgen Nendza unter Tage und birgt so schöne Worte wie "Folgelandschaften", "Rüttelverdichtung" oder "Lesefunde". Der in Essen geborene Dichter widmet seinen neuen Gedichtband dem Ende des Rheinischen Braunkohletagebaus, klärt der Kritiker auf, der einmal mehr mit dem "Wortfeldbesteller" unbekanntes Terrain der deutschen Sprache beackert. Mitgerissen von der Rhythmik der Texte verweilt Müller in menschenleeren Ortschaften, bewundert Weißbirke, Stieleiche oder Rotbuche und macht manch mythologischen Verweis in den Gedichten aus.
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