Ist Friedrich der Große ein feinsinniger Philosoph oder ein machtbewusster Staatsmann und siegreicher Schlachtenlenker oder aber ein menschenverachtender Gewaltmensch? Alle diese Urteile lassen sich bei der Beschreibung seines Lebens nachvollziehen. Die Unterschiedlichkeit der Wahrnehmung seiner Person ist damit in hohem Maß an den historisch-politischen Kontext gebunden, in dem man ihn zu verorten wünschte. Diese Geschichte des Friedrichbildes in Gesellschaft, Politik und Historiografie setzt in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein, als Friedrich den Projektionen nationaler Vorstellungen diente. Im kollektiven Gedächtnis vieler Deutscher stand Friedrich II. seither nicht nur für ein Bild preußischer Größe, sondern war auch beispielgebend für nationale Führerschaft. Einem letzten Höhepunkt strebte diese Entwicklung im Dritten Reich zu. In der frühen Bundesrepublik verschwand er als eine Person von nationaler Bedeutung von der historisch-politischen Bühne. An ihm zeigt sich exemplarisch, wie Geschichte vergeht.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.04.2008
Erhellend findet H. D. Kittsteiner dieses Buch über die Wandlungen des Bilds Friedrichs des Großen in der Geschichtsschreibung, das Peter-Michael Hahn vorgelegt hat. Er sieht darin auch ein Buch über die Geschichtswissenschaft, Geschichtspolitik und "jene Art von Geschichtsschreibung, die ihr nur allzu gern dient". Hahn führt seines Erachtens "sehr differenziert" die diversen Friedrichbilder vor Augen, die von der Reichsgründung 1871 bis heute in der DDR wie in der Bundesrepublik verbreitet waren. Dabei komme auch Friedrich selbst ins Bild. Reizvoll scheint Kittsteiner das Buch vor allem im Detail. Etwa wenn Hahn der Frage nachgeht, ob Friedrich tatsächlich so gewissenhaft-arbeitsam die Akten studiert hat, wie die Legende besagt. Besonders hebt er Hahns Ausführungen über einen Grundzug des Königs hervor, den Umstand, dass dieser zugleich historischer Akteur und Geschichtsschreiber war.
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