Jürg Amann hat die Aufzeichnungen, die Auschwitz-Kommandant Rudolf Höß vor seiner Hinrichtung niederschrieb, zu einem ungeheuerlichen Monolog verdichtet: Dieses Buch sperrt seinen Leser in den Kopf eines Massenmörders. "Angesichts der Wirklichkeit ist alles Erfinden obszön. Vor allem da, wo man die Wirklichkeit haben kann. Auch wenn sie immer wieder geleugnet wird. Dann erst recht. Das habe ich nie so stark empfunden, wie als Die Wohlgesinnten von Jonathan Littell vor ein paar Jahren auf Deutsch erschienen sind: die affirmative Einfühlung in einen NS-Täter in Form eines Romans. Mir waren bei einer thematisch verwandten Theaterarbeit in Wien kurz zuvor die Aufzeichnungen von Rudolf Höß, des Kommandanten von Auschwitz, in die Hände gefallen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 19.07.2011
Der Banalität des Bösen gewärtig, stößt Judith von Sternburg in diesen vom Schweizer Schriftsteller Jürg Amann übersichtlich zusammengestellten Text aus Aufzeichnungen des Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß auf schieres sprachliches Unvermögen. Die Erklärungen des Lagerkommandanten Höß scheinen ihr ungeheuerlich in ihrer Kombination aus bürgerlichen Floskeln und dem offensichtlichen Willen und Glauben des Schreibers, "noch etwas ins Lot" bringen zu können und sich als Mensch mit Herz darzustellen. Dass Amann die entsprechenden Passagen so stehenlässt, macht für Sternburg die besondere Qualität des Buches aus.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.06.2011
Hier spricht Rudolf Höss, Kommandant des Konzentrationslagers Auschwitz. Und dass er so geruhsam und sachlich von seinem Leben berichtet, jagt Sibylle Birrer Schauer über den Rücken. Vor allem auch, weil Jürg Amann seinem Monolog nichts hinzufügt, sich selbst als literarisch-editorischer Vermittler und sein Buch als Substrat des 300-seitigen Lebensberichts des zur Reue unfähigen Auschwitz-Schlächters begreift. Der Rezensentin geht so das Verwundbare des Menschseins auf, in Höss' Verharmlosungen und seinem Zynismus. Außerdem erkennt sie einmal mehr die Bedeutung der Arbeit an zeitgeschichtlichen Originalen.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…