Erich Hackl

Drei tränenlose Geschichten

Cover: Drei tränenlose Geschichten
Diogenes Verlag, Zürich 2014
ISBN 9783257068849
Gebunden, 160 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Die Geschichte des Häftlings und "Lagerfotografen" von Auschwitz, Wilhelm Brasse. Eines seiner Fotos ging um die Welt. Aufstieg, Enteignung, Flucht und Widerstand der jüdischen Familie Klagsbrunn. Und die Spurensuche nach der Österreicherin Gisela Tschofenig, die ihre Trauung in Dachau feiern musste. Die eine Geschichte schildert eine Begegnung mit dem Fotografen Wilhelm Brasse, der lieber Pole als "reichsdeutscher Arier" sein wollte und dafür ins KZ kam. Als "Lagerfotograf" hielt er das Grauen von Auschwitz in Abertausenden von Fotos fest. Eines davon ging um die Welt. (Der Fotograf von Auschwitz) Die Aufnahme der jüdischen Großfamilie Klagsbrunn aus dem Jahr 1904 und was von ihr auf unsere Gegenwart gekommen ist: zwei Verfolgungsgeschichten - eine, die von der Wiener Vorstadt Floridsdorf bis nach Rio de Janeiro reicht, und die andere, die von dort über viele Stationen nach Berlin und wieder zurück nach Brasilien führt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.09.2014

Tief ergriffen hat Rezensent Samuel Moser Erich Hackls Erzählband "Drei tränenlose Geschichten" gelesen, in denen sich der österreichische Autor einmal mehr der Geschichte als fortlaufendem Teil des Gedächtnisses widmet. In dem vorliegenden Band folgt der Kritiker unter anderen dem Schicksal der jüdischen Fabrikantenfamilie Klagsbrunn, die während des Zweiten Weltkriegs nach Südamerika emigrierten. Moser bewundert Hackls Vermögen, die von den Hinterbliebenen und Nachkommen erzählten Erinnerungen respektvoll und sensibel niederzuschreiben, ihr Schweigen feinfühlig zu behandeln und dabei weniger auf historische Faktizität zu setzen als vielmehr auf die Gefühle der Erzählenden. Lobend erwähnt der Rezensent auch, wie es dem Autor gelingt, anhand von - hier nicht abgedruckten - Fotografien Fäden aus der Vergangenheit der Familien in die Gegenwart zu ziehen. Und so kann Moser dieses eindringliche Buch nur unbedingt empfehlen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.07.2014

Nichts ganz so überzeugend, wie seine besten Erzählungen, zu denen Martin Lhotzky "Sidonie" zählt, findet der Rezensent die hier versammelten drei Geschichten Erich Hackls. Nüchtern, lakonisch, referierend, wie gewohnt ist laut Rezensent hingegen der Stil, in dem der Autor in allen drei Texten von Spielarten des Faschismus erzählt und von Menschen, die dagegen Widerstand leisten. Als Ausgangspunkt macht Lhotzky jeweils Bilddokumente aus, Familienfotos, KZ-Dokumente etwa. Dass der Band auf Wunsch des Autors in alter Rechtsschreibung daherkommt, hält Lhotzky für nostalgisch charmant.