Aus dem Englischen von Michael Schwellien. Thomas Harding kannte seinen Großonkel Hanns Alexander als einen freundlichen Mann mit viel Familiensinn, der ein bürgerliches Leben als Bankangestellter in London geführt hatte, sich für die Synagoge engagierte und gerne Witze machte. Seine jüdische Familie stammte aus Berlin und war in den 1930er-Jahren in letzter Minute nach England ins Exil entkommen. Das wussten alle. Ansonsten wurde über den Krieg nicht gesprochen. Erst nach dem Tod von Hanns Alexander erfuhr Harding, dass er ein Nazi-Jäger gewesen war. Er hatte Rudolf Höss, den nach Kriegsende untergetauchten Kommandanten von Auschwitz, in seinem Versteck auf einem Bauernhof in Norddeutschland aufgespürt und so dafür gesorgt, dass ihm der Prozess gemacht wurde.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.09.2014
Sehr positiv bespricht der israelische Journalist Igal Avidan diese Spurensuche, die sich zunächst biografischer Neugierde verdankt. Autor Thomas Hrding konnte es nicht fassen, das der nette Großonkel einst ein entschlossener Nazijäger war: Aber so war es - auf eigene Faust hatte er den Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß auf einem Bauernhof unweit der dänischen Grenze gestellt. Nur gutheißen kann Avidan Hardings Entschluss, im folgenden zwei parallele Geschichten zu erzählen, die des Karrieristen Rudolf und die des Humanisten Hanns. Dabei lobt er die Genauigkeit der Recherche: Als Grundlage hätten Harding persönliche Dokumente, aber auch ein Interview mit Höß' Tochter gedient.
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