Juan Gabriel Vasquez

Die Informanten

Roman
Cover: Die Informanten
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2010
ISBN 9783895610059
Gebunden, 381 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Susanne Lange. Voller Stolz schenkt der junge kolumbianische Journalist Gabriel Santoro seinem Vater, einem bekannten Rhetorikprofessor, sein erstes Buch. Er kann nicht ahnen, dass sein Vater diese Chronik einer befreundeten deutsch-jüdischen Familie mit einem Verriss in der größten Zeitung des Landes zunichtemachen wird. Mehr noch, dass er mit der Veröffentlichung seines Buches auf ein dunkles Geheimnis gestoßen ist. Gabriel begibt sich auf Spurensuche, die ihn vom Kolumbien der dreißiger Jahre in die Gegenwart führt, und entreißt ein bis heute vertuschtes, unrühmliches Kapitel der Geschichte seines Landes der Vergessenheit.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.08.2010

Juan Gabriel Vasquez hebt sich mit dem Roman "Die Informanten" deutlich von seinen kolumbianischen Autorenkollegen ab, davon ist Kersten Knipp überzeugt. Endlich einmal setze jemand einen Kontrapunkt zu den für Knipp ermüdenden und von ihm zuweilen als exzessiv empfundenen literarischen Darstellungen der von Gewalt dominierten kolumbianischen Gegenwart. Vasquez erzählt in seinem Roman die Geschichte des jungen Journalisten Gabriel Santoro. Dieser sieht seine eigene Familie in die Denunziation und Verfolgung von politischen Flüchtlingen verstrickt, die vor dem nationalsozialistischen Regime nach Kolumbien geflohen waren. Vasquez wird für den Rezensenten mit seinem Roman zum längst überfälligen Chronisten eines verdrängten Teils der kolumbianischen Geschichte.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.08.2010

Mit Begeisterung hat Verena Auffermann diesen kolumbianischen Roman gelesen, der ihren Informationen zufolge die Themen Schuld, Erinnerung und Denunziation verhandelt - und damit den Bodensatz der kriminell durchseuchten Zustände in Kolumbien. Im Zentrum stehe ein klassischer, ja, geradezu psychoanalytischer Modellfall eines Vater-Sohn-Konflikts. Ein Vater nämlich verreißt das Buch des Sohnes in einer der einflussreichsten Zeitungen des Landes. In seiner mäandernden Handlung nun kläre Juan Gabriel Vasquez die Vorgänge auf, enthülle Verstrickungen des Vater in die vom Sohn in seinem Buch aufgedeckten Verhältnisse. Immer wieder blättere Vasquez dabei die Zeit zurück, füge Recherchen des Sohne in die Lügengebäude des Vaters ein. All dies sei, so Auffermann, detektivische Maßarbeit. Und was sie besonders beeindruckt: dass dieser Autor in seinem Buch keinen einzigen moralischen Triumph exekutiert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.05.2010

Mit großer Faszination ist Rezensent Karl-Markus Gauß der vielschichtigen Konstruktion von Juan Gabriel Vasquez' Roman um Denunziation, Verrat und Schuld gefolgt, in dem der 1978 geborene kolumbianische Autor ein "dunkles Kapitel deutsch-kolumbianischer Geschichte" aufrollt. Ein junger Historiker schreibt eine Studie über die jüdisch-deutsche Kolonie in Bogota und stößt dabei unvermittelt auf die schuldhafte Verstrickung seines Vaters, erfahren wir. Im Zentrum steht die "Schwarze Liste", auf der deutsche Nationalsozialisten zwecks Kontrolle aufgeführt waren, auf die aber auch unbescholtene Deutsche durch Denunziation oder einfach üble Gerüchte gelangen konnten, was so manche Existenz zerstörte. Vasquez erzählt seine Geschichte aus mehreren Perspektiven, konstruiert sein Buch als Roman im Roman und hängt dem Ganzen ein Stück erklärende Rezeptionsgeschichte an, erklärt Gauß. Für ihn beschreibt das Buch nicht nur ein beeindruckendes "gesellschaftliches Panorama" Kolumbiens von den 1930er Jahren bis in die Gegenwart. In seiner Geschichte eines individuellen Unglücks greift Vasquez auch "universelle Fragen von Schuld, Verrat und Versagen auf", wie der sehr eingenommene Rezensent festhält.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.04.2010

Barbara von Becker hat sehr gefesselt und beeindruckt Juan Gabriel Vasquez' Roman "Die Informanten" gelesen, in dem ein dunkles Familiengeheimnis aus dem Kolumbien des Zweiten Weltkriegs gelüftet wird. Die Gemengelage aus jüdischen und kommunistischen Flüchtlingen, nationalsozialistisch gesinnten deutschen Auswanderern und einer üblen Denunziationspolitik schafft den Boden für die großen Fragen von "Schuld, Sühne, Vergebung", die hier verhandelt werden, erklärt die Rezensentin. Als ein junger Journalist die Chronik einer deutsch-jüdischen Familie schreibt, die aus Deutschland nach Bogota geflüchtet ist, wird er vom eigenen Vater scharf attackiert, der hier schuldhaft verstrickt ist, erfahren wir. Becker findet nicht nur die "kraftvollen Bilder" beeindruckend, mit denen der kolumbianische Autor körperliche Hinfälligkeit, christliche Begräbnisse oder politische Propaganda festzuhalten weiß. Ganz besonders fasziniert hat die Rezensentin, wie Vasquez auch die Frage behandelt, inwieweit die Suche nach der Wahrheit auch zum selbstgerechten Moralisieren machen kann und das "Gift der Denunziation" nicht nur die Opfer, sondern auch die Täter vernichtet. Becker wird dieser Roman auch deshalb zur "großen, bewegenden Literatur", weil der Autor darin nicht einseitig verurteilt, wie sie preist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2010

Das Lob, das dieser Roman bei seinem Erscheinen im Original vor sechs Jahren erhielt, findet Paul Ingendaay absolut berechtigt. Für ihn ist Juan Gabriel Vasquez eine neue, ungewöhnliche Stimme der lateinamerikanischen Literatur. Seine Geschichte über die sich in schwarzen Listen manifestierenden Auswirkungen des Nationalsozialismus in Kolumbien erscheint ihm von so kräftigem Fluss wie eine Geschichte von Garcia Marquez und so gewitzt gebaut wie bei Cortazar. Die "musikalische" Übersetzung durch Susanne Lange ermöglicht es Ingendaay, das von Polizeibürokratie und Denunziation geprägte Klima in der deutschen Exilgemeinde im Bogota der 40er Jahre auf die vom Autor intendierte, außergewöhnliche Weise zu erfahren. Ingendaay preist Vasquez für seine Beobachtungsgabe, sein Händchen für komische Tragik und sein Talent als Schöpfer dramatischer Szenen, melancholischer Stadtschilderungen und liebevoll gezeichneter Figurentableaus.
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