Santiago Gamboa

Die Blender

Roman
Cover: Die Blender
Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2005
ISBN 9783803131959
Gebunden, 317 Seiten, 20,50 EUR

Klappentext

Aus dem kolumbianischen Spanisch von Stefanie Gerhold. Drei Blender sind unterwegs nach China: Der Radiojournalist und Frauenheld Suarez Salcedo aus Paris, der weltfremde deutsche Sinologe Dr. Gisbert Klauss, der seine erste selbständige Reise macht, und der intrigante Schriftsteller und Studentinnen-Verführer Nelson Chonchen treffen in Peking aufeinander. Aus unterschiedlichen Gründen suchen alle drei dasselbe verschollene Manuskript: die Gründungsschrift der "Boxer", einer mächtigen und gewalttätigen Sekte.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.08.2005

Als gelungenes Gesellenstück in "postmoderner Ästhetik" beschreibt die Rezensentin Gamboas Roman. Stark nach Umberto Eco pendele die Handlung mit Journalist, Literaturwissenschaftler und Sinologe auf der Suche nach einem heiligen chinesischen Text der Boxer. Mit diesem nur scheinbar historischen Thema, so Rezensentin Kersten Knipp, gelängen dem Autor nicht allein "beklemmende Schilderungen" vom heutigen Peking, das "an den Rändern des Wahns verlaufende Wettrennen" zwischen realitätsfernen Textwissenschaftlern und einer mafiösen Geheimgesellschaft werfe auch spannendste Fragen nach der Realität von Texten als Fiktionen auf. Erstaunlich "souverän" meistere Gamboa zudem die notgedrungen chaotische Action-Handlung durch ein "fernöstliches wasteland".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.08.2005

Eine wahre Lobeshymne stimmt Rezensentin Maike Albath auf Santiago Gamboas Roman "Die Blender" an. Schon den Auftakt des Buch, das vordergründig als "Spionagethriller voller parodistischer Fußangeln" daherkommt, findet sie packend und schwungvoll. Es geht um die Suche nach einem mysteriösen Schriftstück, die Gamboa als eine Art Wettlauf inszeniert, bei dem er seine drei Helden durch halb Asien hetzt. Die verschiedenen, ziemlich verwickelten Handlungsstränge sind nach Albaths Ansicht "kunstvoll" verwoben. Sie bescheinigt dem Autor nicht nur "erzählerische Eleganz" und "kompositorische Virtuosität", sondern auch ein hohes Maß an Witz und Ironie. Dabei hebt sie hervor, dass Gamboa hinter der schmissigen Oberfläche eines "Philologen-Krimis" existenzielle Fragen verhandle: Gamboas Helden erkunden das Verhältnis von Wirklichkeit und Literatur und gewinnen Einsichten über sich selbst. Kurt Gamboas Roman liefere das, was man sich von Literatur wünsche: "einen unterhaltsamen Erkenntnisgewinn".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.08.2005

Wenig Begeisterung hat der neue Roman des jungen, kolumbianischen Erfolgsautors Santiago Gamboa bei Florian Borchmeyer ausgelöst. Er beschreibt das Buch als "west-östliche Agenten-Burleske", in der drei Blender in Peking aufeinander treffen, um in einem Geflecht aus Spionagewinkelzügen, Verwechslungen und Verfolgungswahn einem esoterischen Manuskript hinterher zu jagen. Borchmeyer hat den Eindruck, dass sich Gamboa bisweilen in den von ihn ausgelegten Fallstricken selbst verheddert. Er hält dem Buch letztlich Substanzlosigkeit vor. Dass der Einsatz von Klischees und Versatzstücke bewusst erfolgt, ändert für den Rezensenten daran nichts. "Mangels einer über die Ironie hinausgehenden Essenz aber verlieren sie auch in ihrer überzeichnet-comichaften Verwendung nichts an Abgedroschenheit." Auch der Spott, den Gamboa in diesem Roman über schlechte Schriftsteller ausgießt, steht ihm nach Ansicht Borchmeyers "schlecht zu Gesicht".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.03.2005

Aus dem chinesischen Boxeraufstand keinen historischen oder politischen, sondern einen "kosmopolitischen Literaturroman" zu machen, findet Volker Breidecker schon mal interessant. Santiago Gamboas Mut wird nach Ansicht des Rezensenten auch belohnt, und zwar mit einem "ebenso spannenden wie schrägen Philologenkrimi". Gamboa selbst ist gelernter Literaturwissenschaftler, nebenbei Journalist und natürlich Schriftsteller, bemerkt Breidecker, was auch die Wahl der drei Protagonisten erklärt, die diese Berufe entweder ausüben oder ausüben wollen und die sie jeweils in die Geschichte um eine verschwundenens mythisches Manuskript hineinziehen. Erzählt wird das ganze von einem "in der Handlung selbst buchstäblich versteckten" Erzähler, der den wechselnden Perspektiven je nach Bedarf seine Stimme leiht.
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