Die zweite deutsche Republik ist das beste Deutschland, das es je gab: liberal, stabil, sozial, und international ein anerkannter Partner. Wie kam es zu dieser Karriere vom hässlichen zum guten Deutschen? Josef Joffe erzählt die Geschichte der Wiedergutwerdung des schuldbeladenen Parias Deutschland - vom Kunststück, das moralisch Gebotene mit dem politisch Nützlichen zu verbinden. Von Konrad Adenauers genialer Strategie des Machtgewinns durch Machtverzicht, Willy Brandts Friedenspolitik als Instrument der Machtverstärkung, Helmut Schmidts Vabanque-Spiel angesichts von RAF-Terror und Protest bis hin zu Angela Merkels konsequentem Aufbau einer europäischen Führungsrolle. Doch obwohl Deutschland auch in internationalen Umfragen an Beliebtheit gewaltig zugenommen hat, tun sich die Deutschen immer noch schwer mit ihrer neuen Rolle.
Rezensent Detlev Claussen warnt die Deutschen davor, sich die Ratschläge des Zeit-Herausgebers und Kolumnisten Josef Joffe zu Herzen zu nehmen. In seinem Buch stelle er die Geschichte Deutschlands als Prozess des Erwachsenwerdens dar: von seiner Geburt im Jahr 1945 bis 1964, dem Beginn des Auschwitz-Prozesses, stecke es bei ihm in den Kinderschuhen, bis zur Wiedervereinigung war es jugendlich und seit 1990 nun endlich erwachsen. Schon diese Metapher hält Claussen für grundfalsch, es gab laut ihm nach dem Krieg keine Stunde null. Und worauf Joffe in seinen Augen hinauswill, gefällt ihm noch weniger: Man habe sich moralisch genug gezeigt, Deutschland müsse sich nicht als "moralische Supermacht" darstellen. Joffes vermeintliche Zeitdiagnose sei letztlich nichts als eine in flapsigem Ton verfasste Polemik, schließt der Rezensent entnervt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.10.2018
Werner Weidenfeld freut sich über die scharfe Zunge und den Humor Josef Joffes. Wenn Joffe die Identitätssuche der Deutschen als Bildungsroman mit autobiografischen Zügen erzählt, ist er gespannt. Bereitwillig lässt er sich vom Autor die These vom deutschen Sonderweg widerlegen und prägende Persönlichkeiten wie Adenauer, Brandt und Merkel mit Sinn für ihre historische Größe vorstellen. Staunend über so viel Merkel-Lob und Entwicklungsoptimismus beginnt Weidenfeld allerdings bald, die im Buch nicht vorkommenden politischen Figuren von Heuss bis Kohl und Schröder wie auch den ein oder anderen kritischen Blick auf die Adenauer-Zeit zu vermissen. Dass der Autor schließlich die "gegenwärtige Normalität" preist, findet Weidenfeld dann doch zu viel des Guten.
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