30 Jahre nach dem Fall der Mauer und dem Zusammenbruch des kommunistischen Ostblocks, mit dem sich im Westen große Hoffnungen auf eine gleichermaßen freiheitliche und friedliche Welt verbanden, stellt sich die internationale Staatenwelt in einem Zustand gefährlicher Instabilität und zunehmender Spannungen dar, in dem viele alte Gewissheiten keine Gültigkeit mehr haben. Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass die Außenpolitik wieder zum Gegenstand einer Debatte geworden ist: Wie sollte sie im 21. Jahrhundert aussehen und welche Ziele sollte sie verfolgen?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.02.2019
Rezensent Günther Nonnenmacher liest Volker Steinkamps Plädoyer für einen "neuen Realismus" in der Außenpolitik mit Skepsis. Steinkamps Ablehnung einer "missionierenden (westlichen) Außenpolitik" kann der Kritiker zunächst durchaus nachvollziehen, auch dass der Literatur- und Kulturwissenschaftler Interventionen in Ausnahmefällen gelten lassen will, erkennt Nonnenmacher an. Richtet der Rezensent seinen Blick allerdings auf den Einmarsch der Amerikaner in den Irak oder auf den zurückhaltenden Umgang des Westens mit Saudi-Arabien erscheint ihm Steinkamps Plädoyer gegen einen vom Westen betriebenen Universalismus wie ein Schimäre. Als ob die Amerikaner aus reinem Idealismus den Irakkrieg geführt hätten! Und auch mit Blick auf Chinas unfairen Wettbewerb kommt man nicht mit Schemata, sondern nur mit einer kühlen Einschätzung der Lage weiter, meint der Rezensent.
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