Jonathan Steinberg

Bismarck

Magier der Macht
Cover: Bismarck
Propyläen Verlag, Berlin 2012
ISBN 9783549074169
Gebunden, 752 Seiten, 29,99 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Klaus-Dieter Schmidt. Mit außergewöhnlichem Weitblick und politischer Fortüne hat Otto von Bismarck die Geschicke Preußens, Deutschlands und Europas in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts maßgeblich bestimmt. In seiner Biografie stellt der amerikanische Historiker Jonathan Steinberg die Frage: Wie hat er das gemacht? Wie konnte jemand ohne jede Regierungserfahrung zum preußischen Ministerpräsidenten aufsteigen und dieses Amt ohne nennenswerte Gefolgschaft fast drei Jahrzehnte lang ausüben? Wie konnte jemand, der nie einen Soldaten befehligt hat, drei erfolgreiche Kriege führen, um sein Ziel, ein Deutsches Reich unter preußischer Führung, zu erreichen?

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.12.2012

Mit Otto von Bismarck hat sich der amerikanische Historiker Jonathan Steinberg ein gut bestelltes Feld ausgesucht, stellt Volker Ullrich fest und verweist auf die verdienstvollen Biografien von Lothar Gall, Ernst Engelberg und Otto Pflanze. Das zentrale Merkmal Bismarcks, das diese früheren Biografien in Steinbergs Augen übersehen haben, habe in dessen "souveränem Selbst" bestanden, einer ominösen Fähigkeit zur Willensdurchsetzung. Dieser Befund erscheint dem Rezensenten jedoch wenig überzeugend, zumal er die viel interessantere Analyse der äußeren Rahmenbedingungen überlagere. Wie Steinberg zwischen Faszination und Abscheu für den Reichskanzler hin- und hergerissen ist, sei zwar "nicht ohne irritierenden Reiz" und seine Quellenauswertung durchaus ergiebig, doch "an Pflanze reicht Steinberg nicht heran, von Gall und Engelberg ganz zu schweigen", urteilt Ullrich streng.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.12.2012

Johannes Willms weiß diese Bismarck-Biografie des amerikanischen Historikers Jonathan Steinberg zu schätzen. Zwar ersetzt das Werk die älteren Lebensbeschreibungen Bismarcks nicht, aber es liefert in seinen Augen eine Reihe von durchaus neuen Aspekten und Einblicken. Aufschlussreich findet er Steinbergs Ansatz einer Psychohistorie, nach der Bismarcks Macht nicht primär auf institutionellen, gesellschaftlichen und politischen Voraussetzungen basierte, sondern auf seiner Persönlichkeit. Dafür werden nach Angaben von Willlms ausgiebig Äußerungen von Weggefährten, Freunden und Feinden des Eisernen Kanzlers analysiert. Bisweilen fühlt sich der Rezensent hier an einen "Briefroman" erinnert, was er durchaus positiv meint, liest sich das Buch doch aufschlussreich und unterhaltsam. Er attestiert dem Autor zudem einen immer wieder reizvollen Blick für die Details. Etwas unterbelichtet bleibt für Willms am Ende allerdings die Frage nach dem Einfluss von Bismarck auf das weitere Geschick Deutschlands.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2012

Rezensent Michael Epkenhaus bemüht die gute "alte englische Tradition", um Jonathan Steinbergs Biografie über Bismarck zu kennzeichnen. Ein Kompliment. Aber auch sonst geht der Biograf eigene, beeindruckende Wege, meint Epkenhaus, der sich der Herausforderung, die eine weitere Bismarck-Biografie an ihren Autor stellt, sehr wohl bewusst ist. Der Autor übrigens auch, schlägt Steinberg doch extra den offenbar fruchtbaren Weg der Zeitzeugenberichte ein, sammelt Protokolle, Tagebucheinträge, Akten und Zeitungsartikel und schafft so ein laut Rezensent stimmiges Porträt des wohl bedeutendsten Politikers des späten 19. Jahrhunderts. Das überlebensgroße, in sich höchst widersprüchliche Selbst Bismarcks, das sich aus den vom Autor herangezogenen Quellen ergibt, deutet Steinberg weiter aus, lässt uns Epkenhaus wissen: von der ungezügelten Fresslust zum Verständnis von Politik als Kampf auf Sieg und Verderb.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.10.2012

Rezensent Christoph Jahr begrüßt Jonathan Steinbergs Bismarck-Biografie, die jetzt in deutscher Übersetzung vorliegt. Er schätzt den Autor als einen der bedeutendsten Bismarck-Experten im angelsächsischen Sprachraum. Auch wenn er das Leben des preußischen Ministerpräsidenten und späteren Reichskanzlers für ausgiebig erforscht hält, findet er bei Steinberg neue, erhellende Einsichten. Dies liegt für ihn nicht zuletzt am Ansatz der Psychohistorie, den der Autor wählt, um zu zeigen, wie stark Bismarcks Macht auf dessen Persönlichkeit basierte. Bismarck erscheint dem Rezensenten in diesem Werk als herausragendes politisches Genie und zugleich als gewissen-, prinzipien- und skrupelloser Gewaltmensch, der Politik ausschließlich als Kampf und Macht betrachtete. Neben einigen Übertreibungen des Autors kritisiert Jahr insbesondere, dass die politischen und sozioökonomischen Strukturen und Prozesse, die eine Entfaltung Bismarcks ermöglichten, unterbelichtet bleiben. Lesenswert ist die Arbeit in seinen Augen trotzdem.