Aus dem Englischen von Sigrid Ruschmeier. Zottelige Federpracht, gelbe Augen, zwei Meter Flügelspannweite, vier Kilo Gewicht: Sie ist die größte Eule der Welt - und eine der seltensten, denn ihr Habitat - die Primorjer Auenwälder im fernen Osten Russlands - ist so unzugänglich und abgelegen, dass hundert Jahre vergehen mussten, bis ein Forscher den Riesenfischuhu wieder zu Gesicht bekam. Jonathan Slaghts so obsessive wie abenteuerliche Suche nach dem majestätischen Vogel führt ihn über Tausende von Kilometern unwegsamen Geländes, durch verschneite Wälder, über zugefrorene Seen und tauende Permafrostböden. Irgendwo in dieser winterlichen Welt, die Tiger und Bären, Wilderer und Mystiker bevölkern, lauert die wundersame Eule, nachtaktiver Jäger, Sänger unheimlicher Duette und beharrlicher Überlebenskünstler in einem schrumpfenden Lebensraum. Die Eulen des östlichen Eises bietet einen so seltenen wie fesselnden Einblick in den Alltag eines Wissenschaftlers, zu dem Wodka-getränkte Begegnungen, waghalsige Schneemobilfahrten und vor Eiseskälte durchwachte Nächte ebenso gehören wie seltsame Eulenspuren im Schnee.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.07.2024
Eine schöne und unterhaltsame Lektüre verspricht Rezensentin Maria Wiesner mit Jonathan C. Slaghts Buch über den Riesenfischuhu. Der Wissenschaftler berichtet dort von seiner Feldforschung im östlichen Russland, wo die letzten Exemplare der vom Aussterben bedrohten Eulenart leben. Der Kritikerin gefällt dabei besonders, dass Slaght nicht wie sonst oft im "Nature Writing" nur hübsche Beschreibungen liefere, sondern klar als Wissenschaftler, dabei aber trotzdem humorvoll auftrete: So schmunzelt Wiesner etwa über eine Beschreibung des ungewöhnlich großen Vogels als Bärenjunges mit aufgeklebten Federn und über einige Beschreibungen "kauziger" russischer Dorfbewohner der Region, lernt aber gleichzeitig vieles über die Forschungsmethoden, etwa das Anbringen von Peilsendern an den Uhus. In der deutschen Ausgabe vermisst sie die Fotografien aus der englischen, lobt dafür aber umso mehr Sigrid Ruschmeiers Übersetzung: "onomatopoetische Treue" zum Original ergänze sich hier bestens mit kreativer Eigenständigkeit, schließt Wiesner.
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