Die Schweiz pflegt das Selbstbild, eine Hüterin der Humanität und der Menschenrechtsidee in der internationalen Politik zu sein. Auf dem Gebiet des humanitären Völkerrechts hat die Eidgenossenschaft als Ursprungsland des Roten Kreuzes in der Tat eine lange Tradition. Dagegen ist die weit verbreitete Ansicht, wonach die Förderung der Menschenrechte eine Konstante der schweizerischen Außenpolitik sei, aus historischer Perspektive nicht haltbar. Die Schweiz war keine Vorreiterin des internationalen Menschenrechtsschutzes, sondern hinkte den Entwicklungen auf diesem Gebiet lange hinterher. Die Arbeit geht der Frage nach, weshalb sich die Eidgenossenschaft auf internationaler Ebene kaum für die Achtung der Menschenrechte einsetzte und den Menschenrechtsabkommen des Europarats und der Vereinten Nationen skeptisch gegenüber stand.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 07.01.2006
Der Rezensent Georg Kreis findet diese Arbeit, die mit dem Schweizer Selbstverständnis im Bezug auf den Schutz von Menschenrechten durchaus kritisch umgeht, "höchst informativ". Der Autor macht seiner Meinung nach keinen Hehl aus seinen Positionen und arbeitet die Thematik systematisch auf, wobei der Schwerpunkt seiner Analyse auf der Entwicklung in den sechziger und siebziger Jahren liegt. Dabei kommt er zu dem Ergebnis, dass "die Schweiz nicht Vorreiterin des internationalen Menschenrechtsschutzes, sondern Nachzüglerin" war. Der Umbau zu einer Politik, die außer den eigenen auch übergreifende Interessen einbezieht, erfolgte erst nach Einschätzung des Autor erst in den Neunzigern Jahren.
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