Der General der Schweizer Armee im Ersten Weltkrieg, Ulrich Wille, vermag bis in die Gegenwart hinein Emotionen zu wecken und polarisierend zu wirken. Die einen sehen in ihm den zukunftgerichteten Gestalter des schweizerischen Milizheeres sowie dessen kriegsgenügender Ausbildung. Willes Bewunderer und Epigonen versuchen seine Militärpädagogik anzuwenden, die Erziehung des Bürgers zum Soldaten. Für seine Gegner ist Wille ein Militarist, ein menschenverachtender Drillmeister und Soldatenschinder. Viele, nicht nur Frauen, werfen ihm einen Männlichkeitskult vor und eine undemokratische Verehrung des preußischen Heerwesens...
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.08.2003
Auch nach diesem Sammelband bleibt, betont der Rezensent (Kürzel Lz.), eine wissenschaftlichen Standards gehorchende Biografie des Schweizer Oberbefehlshabers im Ersten Weltkrieg, Ulrich Wille, ein Desiderat. Als mögliche "Orientierungsmarke" für ein solches Unternehmen könne das Buch allerdings dienen. Man erfahre über Wille - von einem seiner Enkel übrigens - einiges über das Umfeld des Generals, man höre, nicht ohne Staunen, von dessen Belesenheit. Untersucht wird Willes Einfluss auf die Entwicklung des Schweizer Militärs vor dem Ersten Weltkrieg, neben weiteren Einzelaspekten wie dem Landesstreik. Keine Gesamtschau, aber eine Darstellung der unterschiedlichen Facetten des Generals.
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