Herausgegeben und mit einer Einleitung von Dorothea Hauser. Aus dem Englischen neu übersetzt von Joachim Kalka. Mit seinem Buch über die Folgen des Ersten Weltkriegs für Europa wurde John Maynard Keynes über Nacht ein berühmter Mann. Niemand hat klarer und prophetischer analysiert, warum der Friedensvertrag von Versailles einen neuen Krieg und zum Teil bis heute schwelende politische Konflikte auslösen konnte. Keynes berühmtes Buch enthält die Beschreibung der nie wieder erlangten Höhe von Europas Reichtum vor 1914 und den Ausblick auf die wenig hoffnungsvolle Zukunft danach. Nirgends wurde so anschaulich und mit analytischem Spott das gespenstische Verhandlungsklima beschworen, in dem berühmte Staatsmänner und ihre Helfer und Vasallen den Frieden verspielten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.02.2015
Andauernd aktuell findet Rudolf Walther John Maynard Keynes "brillante" Polemik über den Vertrag von Versailles. Den neu übersetzten Band liest er gebannt und hält Keynes' Lamento über eine verpasste Chance für heilig zornig, doch gut belegt. Etwa, wenn der Autor die Grundlage der Reparationsforderungen der Sieger als Mischung aus Illusion, Eifer, Rache und Schuldzuweisungen beschreibt, nicht als solide Berechnung. Keynes' Wettern gegen die Borniertheit und Heuchelei der Sieger, denen es nicht um eine Neuordnung Europas ging, sondern um schnöde Bereicherung, scheint Walther berechtigt, auch wenn er Spekulationen über eine anders verlaufende Geschichte der Weimarer Republik für müßig hält.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.11.2014
Die vorliegende Neuübersetzung scheint Rezensent Werner Plumpe unnötig. Auch die Auswahl von 2006 durch dieselbe Herausgeberin noch einmal aufzulegen und als Neuauflage zu verkaufen, findet Plumpe fragwürdig. Lieber hat er ohnehin den, wie er schreibt, leicht zu bekommenden vollständigen Text. Keynes Schrift über den Versailler Vertrag allerdings hält der Rezensent für lesenswert, gibt ihm der Autor doch einen Überblick über die ökonomische Realität in Europa nach dem Ersten Weltkrieg, erläutert die zerstörerische Wirkung des Vertrags von Versailles auf das ökonomische Fundament Europas und bietet Lösungsvorschläge, die laut Plumpe tatsächlich erst nach 1945 erfolgreich umgesetzt wurden.
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