Johannes Ludewig gehörte als Spitzenbeamter im Kanzleramt zum engsten Kreis um Helmut Kohl und erlebte die dramatischen Monate zu Beginn des Jahres 1990 hautnah mit. Als immer mehr DDR-Bürger die Seiten wechselten - nach dem Motto: Kommt die D-Mark nicht zu uns, kommen wir zu ihr -, geriet die deutsche Politik unter ungeheuren Druck. Heftig wurden die unterschiedlichen Entwürfe einer möglichen Währungsunion diskutiert, einer Vereinigung zweier vollkommen unterschiedlicher Volkswirtschaften, für die es bisher keine Blaupause gab. Und das in wenigen Wochen! Johannes Ludewig saß am Tisch zusammen mit Männern wie Günther Krause, Horst Teltschik, Horst Köhler, Wolfgang Schäuble und vielen anderen, die das Konzept für diesen gewaltigen Umbau in reale Politik umsetzten. Sein Buch dokumentiert die eigentliche politische Arbeit abseits der Öffentlichkeit - es berichtet von ungewöhnlichen Menschen und ungewöhnlichen Entscheidungen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.08.2015
Der Mainzer Historiker Andreas Rödder nutzt seine Besprechung, um noch einmal die Jahre nach der Wende besonders in wirtschaftlicher Hinsicht Revue passieren zu lassen. Für ihn war es ein "Aufbau Ost durch Nachbau West". Der Schock der Deindustrialisierung der ehemaligen DDR wirkt für ihn bis heute nach - aber Alternativen zu dem von Helmut Kohl und seinem hier besprochenen Adlatus Johannes Ludewig gewählten Weg sieht Rödder bis heute nicht. Insgesamt kann Rödder der von Ludewig vorgelegten positiven Bilanz des Aufbaus Ost zustimmen. Es kam zwar weniger Wirtschaftskraft zustande als erhofft, es fehlt nach wie vor an Industriekernen und Innovationszentren in den neuen Ländern, dennoch sei - besonders durch die Zusammenarbeit mit Gewerkschaften und einsichtigen Betriebsräten - einiges erreicht worden. Neue Hoffnung ergibt sich zudem für Ludewig und seinen freundlich gesonnenen Rezensenten aus der Start-Up-Szene in Berlin.
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