Manfred Oldenburg

Ideologie und militärisches Kalkül

Die Besatzungspolitik der Wehrmacht in der Sowjetunion 1942. Diss.
Cover: Ideologie und militärisches Kalkül
Böhlau Verlag, Köln 2004
ISBN 9783412145033
Gebunden, 365 Seiten, 39,90 EUR

Klappentext

Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhalten der deutschen Wehrmacht gegenüber der sowjetischen Zivilbevölkerung für das Jahr 1942. Zu Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion, als die Wehrmacht von Sieg zu Sieg eilte, mussten die Armeen noch keine Rücksicht auf die Zivilisten nehmen, da der militärische Erfolg durch die von Hitler gewollte und vom Heer unterstützte Ausbeutungs-, Terror- und Vernichtungspolitik nicht bedroht schien. Mit dem Scheitern des Blitzkriegskonzeptes im Dezember 1941 entwickelte sich jedoch die Militärverwaltung notgedrungen von einem Provisorium zu einer ständigen Einrichtung mit beträchtlichem Einzugsgebiet. Die veränderte Kriegslage brachte Millionen Zivilisten unter die langfristige Verfügungsgewalt der Armeen und die Oberbefehlshaber mussten sich Gedanken machen, wie mit der Bevölkerung zu verfahren sei.
Erstmals wird mit dieser Studie die Besatzungspolitik der Wehrmacht für das Jahr 1942 ausführlich betrachtet und herausgearbeitet, welche Veränderungen und Kontinuitäten es im Umgang mit den verschiedenen Bevölkerungsgruppen gab. Damit wird eine wichtige Forschungslücke um die Rolle der Wehrmacht im Vernichtungskrieg geschlossen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.09.2004

Spätestens seit der sogenannten Wehrmachtsausstellung war für Rezensent Christian Hartmann klar, wie dürftig in der Bundesrepublik das Forschungsfeld Besatzungspolitik der deutschen Wehrmacht bestellt ist. Um so erfreuter zeigt er sich darüber, dass nun eine "unaufgeregte und systematische Studie" über dieses Thema vorliegt. Wie Hartmann berichtet, konzentriert sich Manfred Oldenburgs Arbeit auf das Gebiet der 11. und der 17. Armee. Darin sieht er den Vorteil, dass nicht nur unterschiedliche Akteure und Frontlagen in den Blick kommen, sondern auch ganz verschiedene Besatzungsräume. Als "besonderen Verdienst" dieser "ausgezeichnet gegliederten Studie" erachtet Hartmann den Umstand, dass sie eine Vorstellung davon vermittelt, "wie beschränkt die Handlungsspielräume eines deutschen Offiziers selbst dann sein konnten, wenn er eine ganze Armee kommandierte". Oldenburg zeige aber auch, dass die Armeen "ein Instrument in Hitlers Vernichtungskrieg" waren. Allerdings seien Verantwortung und Schuld in diesem Instrument nicht flächendeckend verteilt gewesen.
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