Johannes Fried

Dies irae

Eine Geschichte des Weltuntergangs
Cover: Dies irae
C. H. Beck Verlag, München 2016
ISBN 9783406689857
Gebunden, 352 Seiten, 26,95 EUR

Klappentext

"Sacco di Roma", Tambora, 9/11, Tsunami - die Weltgeschichte ist voller Ereignisse, in deren Zusammenhang immer aufs Neue vom drohenden Weltuntergang gesprochen wurde. Endzeitängste sind jedoch ein besonderes Phänomen der abendländischen, christlichen Kultur. Mit diesem Buch liegt erstmals eine umfassende Ideengeschichte der Apokalypse vor. Von den biblischen Propheten bis zu den heutigen Tageszeitungen ist die christliche Kultur geprägt vom Glauben an ein unerbittliches Ende. Johannes Fried spannt den Bogen seiner Erzählung von der vorchristlichen Antike über das Zeitalter der Aufklärung bis hin zur jüngsten Gegenwart. Sowohl Geistesgeschichte wie auch Populärkultur und Wissenschaft bieten eine unerschöpfliche Vielfalt an faszinierenden Beispielen. Es stellt sich heraus, dass sich die Endzeitvisionen nicht mit fortschreitenden wissenschaftlichen Erkenntnissen verflüchtigen - vielmehr sind sie tief verwurzelt in unserem unbewussten Weltbild und bis heute aktuell.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.09.2016

Rudolf Neumaier gerät ins Nachdenken über die Apokalypse heute mit Johannes Frieds neuem Buch. Frieds Geschichte der Apokalypse lehrt Neumaier, wie Kapazitäten von Descartes über Ockham bis Newton das Weltende sahen. Als hätte der Autor jahrzehntelang dazu recherchiert, kommt ihm das Buch vor, wissenschaftlich stark und mit Verve vorgetragen. Auch wenn er bei Fried den Eindruck bekommt, der Hauptantrieb der christlichen Wohlfahrt sei die Angst vor dem Jüngsten Tag gewesen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.08.2016

Durchaus respektabel findet Dirk Pilz, was Johannes Fried zur Geschichte des Weltuntergangs als Denkfigur und Emotionsmuster zusammengetragen hat: Der Historiker schöpfe aus einem reichen Fundus, wenn er von Luther über Thomas Müntzer bis zu Lars von Trier die Präsenz der Apokalypse im abendländischen Denken quer durch alle Epochen nachweist. Geistreich findet der Rezensent auch Frieds Pointe, die den Weltuntergang nicht als Relikt der Vormoderne beschreibt, sondern als einen Katalysator der Aufklärung: Als wichtigsten Motor zur Rettung der Welt, zur Gestaltung eines besseren Lebens. Allerdings geraten dem Historiker in Pilz' Augen etliche Aussagen allzu pauschal, schroff und einseitig: Hat wirklich "bis tief in die Neuzeit" kein Gläubiger an der Wahrheit der Untergangsbotschaft gezweifelt?

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 04.06.2016

Matthias Heine liest das Buch des Mittelalterhistorikers Johannes Fried wie er eine gestopfte Gans essen würde, durchaus mit Lust, aber auch mit leichtem Bauchgrimmen. Einfach, weil Fried seine Biografie der Apokalypse mit dem ganzen Wissen eines langen Gelehrtenlebens anreichert. Lernen kann Heine allerdings einiges. Etwa, dass die Vostellung vom endgültigen Weltuntergang in aller Radikalität nur in der jüdischen und in der christlichen Tradition exstiert. Oder, wie sich das Weltende in der Kunst niederschlägt, im Expressionismus und im Death Metal. Ein schwacher Trost ist dem Rezensenten schließlich Frieds Analyse des praktischen bis utopischen Denkens, das die Apokalyptik im Christentum begleitete. Wann genau Schluss sein würde, wollte man nämlich schon wissen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.04.2016

Fasziniert nimmt Michael Stallknecht teil an diesem "Freiflug" des Mittelalterhistorikers Johannes Fried in Sachen Weltuntergang. Heraus kommt laut Stallknecht nicht weniger als ein neuer Blick auf die europäische Ideengeschichte. Indem der Autor das Weltende als Angelegenheit des Christentums ausweist und für einen Motor des Fortschritts, überschreitet er laut Rezensent nicht nur souverän die Grenzen seines Fachs, sondern deutet auch eine regelrechte Sehnsucht nach dem Ende an. Dass Fried darüber hinaus mit Wertungen vorsichtig bleibt und keinen Alarmismus in Gang setzt, findet Stallknecht richtig, auch wenn sich der Leserin daher letztlich nicht alles in der Darstellung sofort erschließt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.03.2016

Rezensent Stephan Speicher liest Johannes Frieds Geschichte des Weltuntergangs mit Gewinn. Den Autor kennt er als den berühmtesten Mittelalter-Historiker Deutschlands. Dass Fried sich hier mächtig ins Zeug legt, merkt Speicher rasch. Nicht einfach Ideengeschichte will der Autor vorlegen, sondern möchte, anknüpfend an frühere Arbeiten, so Speicher, die Bewegung des Mittelalters durch das Denken an den Jüngsten Tag erweisen. Und weiter, meint Speicher. Indem Fried das Fortwirken eschatologischen Denkens in der Gegenwart beobachtet, teilt er seine Sorge um den Zustand der Welt dem Leser mit. Dass Fried keine Vergleiche anstellt zwischen westlichen und anderen Untergangsgedanken, scheint Speicher kritikwürdig, ebenso der Umstand, dass der Rezensent dem Autor am liebsten mit einem guten Wort zu Hilfe eilen würde, derart verstrickt scheint Fried ihm in einem Gewirr bedenklicher Beobachtungen, wo laut Speicher mehr intellektuelle Durchdringung und Entfaltung notgetan hätte zu wahrer Zeitdiagnostik.
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