Anja Utler

kommen sehen

Lobgesang
Cover: kommen sehen
Edition Korrespondenzen, Wien 2020
ISBN 9783902951526
Gebunden, 128 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

"kommen sehen" ist ein poetischer Monolog aus der Zukunft. Eine alte Frau spricht zu ihrer Tochter im Versuch, ihr etwas Wichtiges zu hinterlassen - ein Bild davon, wie eine bereits ferne ökologische Katastrophe namens "drei Jahre Sommer" nicht nur die physische Welt, sondern auch das Denken, die gängigen Erklärungsmuster und die Fantasie verändert hat, davon, wie sie selbst, aber auch die Gesellschaft mit ihren Ängsten und Sehnsüchten ringen, sowie mit der Anpassung an die veränderten Bedingungen. Mittels einer wilden Sprachmischung aus mythologischen Versatzstücken, technisch-wissenschaftlichem Vokabular, Floskeln politischer Propaganda und mündlicher Alltagssprache versucht sie das Geschehene zu fassen: entwirft, verneint, setzt wieder neu an, bis ihr letztlich gelingt, zumindest eine sie bedrückende Sache zu klären. Anja Utlers Blick auf eine junge postapokalyptische Gesellschaft in einer radikal, bis in die Fortpflanzungsbedingungen hinein veränderten Welt wirft zugleich die drängende und entscheidende Frage auf: Wie war das? Was hatte man kommen sehen können, was nicht? Und vor allem: Wieso konnte man auf das, was kam, nicht angemessen reagieren?

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 17.09.2020

Rezensent Björn Hayer vermisst Konzentration und Stringenz in den Gedichten von Anja Utler. Die poetische Durchdringung der Apokalypse wird bei Utler laut Hayer zu einem Fest der Sprunghaftigkeit, dessen Komposition dem Rezensenten beliebig, bisweilen kryptisch und selbstgefällig vorkommt. Schade, meint er, denn den thematisierten Klimakollaps überführt Utler durchaus formal gekonnt in disruptive Sätze und dann wieder in die "rigide" Struktur der Zweizeiler. An Gefühl für den Zeitgeist mangelt es der Autorin auch nicht, erklärt er, nur leider an einem weniger nervtötenden Maß an experimentallyrischem Ehrgeiz.

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