Jean-Claude Carriere, Jean Delumeau, Umberto Eco, Stephen Jay Gould

Das Ende der Zeiten

DuMont Verlag, Köln 1999
ISBN 9783770148820
                         , 295 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

In vier Gesprächen stellen Wissenschaftler und Publizisten fächerübergreifend die verschiedensten Aspekte der Zeit dar: zum Beispiel Langsamkeit, Eile, der Verlust der grammatischen Zeiten, ein Treffen der Uhrmacher am Ende des 17. Jahrhunderts, um das Ticken der Uhren der Geschwindigkeit der Geschichte anzupassen. Die Fragen stellen die ehemalige Documenta-Leiterin Catherine David und die Journalisten Frédéric Lenoir und Jean-Philippe de Tonnac.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.10.1999

In einer Sammelbesprechung gibt Ludger Heidbrink die Hauptthesen von vier Büchern wieder, die sich mit dem Thema Zeit befassen und dem Versuch des Menschen, am ausgehenden Jahrtausend temporale Prozesse zu kontrollieren bzw. zu optimieren:
1) Karlheinz A. Geißler: "Vom Tempo der Welt". Am Ende der Uhrzeit (Herder Verlag).
Im Mittelpunkt dieses Buches steht die Wandlung des Zeitbegriffs über die Jahrhunderte, schreibt Ludger Heidbrink. Nach Ansicht des Autors habe die Beschleunigung temporaler Prozesse jedoch nicht zu einer grösseren Verfügbarkeit von Zeit geführt. Zwar gebe es eine Tendenz weg von straffer Organisation hin zu flexibler Gestaltung (Arbeits- und Öffnungszeiten), der Zwang zur Selbstdisziplinierung steige aber ebenfalls an (Weiterbildung, Eigeninitiative). Fazit des Rezensenten: "Per saldo muss immer mehr Zeit aufgewendet werden, um immer weniger Zeit sinnvoll zu verwenden."
2) Manuel Schneider/Karlheinz A. Geißler (Hrsg.): "Flimmernde Zeiten". Vom Tempo der Medien (Hirzel Verlag).
Dieser Band, erzählt Heidbrink, zeigt die Schattenseiten digitaler Allgegenwärtigkeit im Zusammenhang mit elektronischen Medien auf. So werde die Zeitersparnis durch E-Mail, Fax und Internet durch komplizierte Programme und Informationsflut leicht wieder wett gemacht. Im Gegenzug dienten Fernseher und Telefon häufig dazu, die Langeweile der eingesparten Zeit wieder zu vertreiben. Außerdem widmeten sich die Autoren den Medien, die selbst dem Zwang zur Kürze unterliegen (z. B. Nachrichtensendungen) und den sozio-ökonomischen Folgen von Telearbeit.
3) Sabine Hofmeister/Meike Spitzner (Hrsg.): "Zeitlandschaften". Perspektiven öko-sozialer Zeitpolitik (Hirzel Verlag).
Weitgehend unkommentiert gibt Heidbrink die Thesen in "Zeitlandschaften" wider: Die Vertreterinnen einer "feministischen öko-sozialen Zeitpolitik" treten für "gerechtere und herrschaftsfreiere Geschlechterverhältnisse und ökologische, natur- wie sozialitätsverträgliche Zukünfte" ein. Verlangsamung und Muße sind die Stichworte in diesem Zusammenhang. Frauen seien nun gefragt, denn sie allein seien in der Lage, "abstrakte" und "organische" Zeit zu synchronisieren, darin seien sie schließlich geübt.
4) Umberto Eco/Jean-Claude Carrière/Stephen Jay Gould/Jean Delumeau: "Das Ende der Zeiten" (DuMont Verlag).
Die im Vergleich zu den Autoren anderer Bücher grösste Gelassenheit gegenüber der Zeitthematik legt der Paläontologe Stephen Jay Gould an den Tag, meint Heidbrink. Angesichts der Tatsache, dass in den 13 Milliarden Jahren, die das Universum vermutlich bereits existiert, in regelmässigen Abständen "Weltuntergänge" stattgefunden haben, scheint ihm die Milleniumshysterie eher müssig. Für ihn sind diese Ängste eine Folge der jüdisch-christlichen Akopalypse-Prophezeiungen. Im gleichen Band äußert Eco die These, dass angesichts der Sterblichkeit der Menschen der Gedanke nahe liegt, auch an eine Sterblichkeit des Universums zu glauben.
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