Joachim Scholtyseck

Robert Bosch und der liberale Widerstand gegen Hitler 1933 - 1945

Cover: Robert Bosch und der liberale Widerstand gegen Hitler 1933 - 1945
C. H. Beck Verlag, München 1999
ISBN 9783406455254
Gebunden, 749 Seiten, 49,90 EUR

Klappentext

Der Stuttgarter Elektroindustrielle Robert Bosch (1861-1942) stand als überzeugter Liberaler dem Nationalsozialismus ablehnend gegenüber. Unter seiner Ägide arbeiteten im sogenannten "Boschkreis" führende Mitarbeiter mit Carl Goerdeler zusammen, um Hitler zu stürzen. Nach Kriegsausbruch kam es zu mehreren Friedensfühlern in der Schweiz und Großbritannien, um einen "Frieden ohne Hitler" zu erreichen. Auch in die Vorgänge, die zum Attentat des 20. Juli 1944 führten, war die Unternehmensführung einbezogen: Einige Mitarbeiter sollten Ämter in einer demokratischen Regierung nach Hitler einnehmen. Dieser ungewöhnliche unternehmerische Widerstand im "Dritten Reich" fand erst mit dem Scheitern des Attentats auf Hitler ein gewaltsames Ende. Joachim Scholtyseck schildert in seinem grundlegenden Buch die Geschichte dieses Kreises, dessen Wirken hier erstmals eingehend dargestellt wird.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.07.2000

Die Schwierigkeit dieser Studie liegt für Christian Kind zunächst darin, dass nur schwer einsehbar ist, wie eines der wichtigsten Rüstungsunternehmen Deutschlands wie die Robert Bosch GmbH, das zudem Tausende von Zwangsarbeitern einsetzte, überhaupt zum Widerstand gezählt werden kann. Für den untersuchenden Historiker liegt eine weitere Schwierigkeit auch in der problematischen Quellenlage, denn die in den Chefetagen des Werks durchaus nachzuweisende Widerständigkeit ist auf Grund ihres konspirativen Charakters nur schlecht dokumentiert. Christian Kind bescheinigt jedoch dem Autor, dessen Habilitationschrift (Universität Karlsruhe) dies ursprünglich war, den Nachweis eines liberalen Widerstands mit aller gebotenen Gründlichkeit und kritischen Vorsicht geliefert zu haben. Dabei war eine der wichtigsten Personen - neben dem Firmenleiter (bis 1942) Robert Bosch - der in Leipzig aus Protest gegen die Entfernung der Mendelssohn-Denkmals als Oberbürgermeister zurückgetretene Carl Goedeler, der als Wirtschaftsberater bei Bosch eingestellt worden war und von hier seine Aktivitäten im Widerstand entfalten konnte (er wurde, was Kind nicht erwähnt, im Februar 1945 in Plötzensee hingerichtet). Herausgekommen ist "keine Heldengeschichte", meint Kind, dafür war insgesamt im Werk zu viel Taktiererei im Spiel, die darauf ausgerichtet war, eine Enteignung zu verhindern. Aber immerhin ist hier dargestellt, dass sich die Bosch-Werke in Stuttgart auch durch diskrete Maßnahmen moralischer und finanzieller Unterstützung als "Insel der Vernunft und der Nächstenliebe" erwiesen haben, schreibt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.07.2000

Der Buchtitel erwecke den Eindruck, als habe es im liberalen Lager einen breiteren Widerstand gegen Hitler gegeben, schreibt Jürgen Zarusky quasi kopfschüttelnd, denn der Rezensent kommt zu dem Schluss, dass dieser Eindruck täuscht, auch wenn es der Autor vielleicht gern so hätte. Bosch war in der Tat einer der wenigen Unternehmer, die gegen Hitler waren, und er scharrte einen Kreis von Vertrauten und Mitarbeitern um sich. Der Rezensent, Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte in München, kann dennoch keine rückwirkende Traditionslinie des bundesdeutschen Unternehmertums in den deutschen Widerstand entdecken, zumal er die gedankliche und personelle Überschneidung mit den Widerstandskreisen von Beck und Gordeler für problematisch hält. Eine gewagte These ohne jeden Beweis, schlussfolgert Zarusky.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.06.2000

Jürgen Dunsch lobt die Untersuchung als „aufschlussreich“, auch wenn er dem „wissenschaftlichen Apparat und vielen der üblichen akademischen Turnübungen“ im Text deutlich anmerkt, dass sie aus einer Habilitationsschrift entstanden ist. Trotzdem findet er die Studie gut lesbar und informativ. Wegen der jüngsten Diskussionen der Zwangsarbeiterentschädigung lobt der Rezensent die Erkenntnisse des Autors über die Lage der Zwangsarbeiter bei Bosch als besonders interessant. Außerdem hebt er hervor, dass der Autor eine „ehrliche“ Antwort auf die Frage zu geben versucht, inwieweit ein Unternehmen wie das von Bosch Widerstand leisten wollte und konnte, was der Rezensent als besonderes Verdienst der Untersuchung würdigt.
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