Jerome Ferrari

Das Prinzip

Roman
Cover: Das Prinzip
Secession Verlag, Zürich 2015
ISBN 9783905951653
Gebunden, 130 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Auf dem Französischen von Christian Ruzicska und Paul Sourzac. Helgoland, frühe Zwanziger Jahre: Werner Heisenberg formuliert die Theorie der Unschärferelation und hebt damit die Gesetze der klassischen Physik ebenso aus den Angeln wie das über Jahrhunderte wissenschaftlich geschärfte Weltbild. Ausgehend von dieser Verunsicherung macht Jérôme Ferrari in seinem Roman Verbindungslinien sichtbar, die seitdem Physik und Wissenschaft, Sprache und Literatur, Kultur und Politik, Wirtschaft und Gesellschaft erschüttern, und spannt einen poetischen Bogen über die Auflösungsprozesse und Entgrenzungen der vergangenen hundert Jahre. Entlang des streitbaren Lebens von Werner Heisenberg - von seiner bahnbrechenden Entdeckung über seine Verstrickung mit dem Nationalsozialismus, die Internierung in Farm Hall bis zu seiner berühmten Münchener Rede 1953 - beschreibt Ferrari, wie dem Menschen die Welt entgleitet und wirkmächtige, unkontrollierbare Prozesse Wirklichkeiten und Wahrheiten produzieren.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.11.2015

Eigentlich würde Matthias Hennig lieber Werner Heisenbergs "Der Teil und das Ganze" empfehlen als Jérôme Ferraris Versuch, den Physiker in einer biografischen Nacherzählung vorzustellen. Der laut Hennig aus Rahmenhandlung und Binnenerzählung bestehende Text, der wichtige Stationen im Leben Heisenbergs in vom Autor poetisch ausgeschmückten Anekdoten und Erinnerungen des Nobelpreisträgers auserzählt, erscheint dem Rezensenten bisweilen unelegant und unmotiviert konstruiert. Auch wenn es Ferrari mitunter gelingt, physikalische Probleme zu poetisieren, wie Hennig erklärt, befriedigt ist der Rezensent nach der Lektüre ganz und gar nicht.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.04.2015

Jérôme Ferraris Roman "Predigt auf den Untergang Roms" hatte einen Vorzug, den "Das Prinzip" leider vermissen lässt, meint Rezensentin Jutta Person: den Ausgleich des "Weltauflösungspathos" durch komische Szenen zweier Studenten, die mit den konkreten Problemen konfrontiert sind, die auftreten, wenn man eine Bar auf Korsika eröffnen will, erinnert sich die Rezensentin. Im neuen Roman hat sich Ferrari Heisenberg und dessen Unschärferelation zum Thema gemacht, deren "kausalitätssprengende" Schönheit er zeigen will, so Person. Wo es um die Verschiebungen im Weltverstehen geht, gibt es der Rezensentin zu viel Pathos. Besser gefällt ihr die zweite Hälfte des Romans, wo Ferrari sich auf die Frage konzentriert, warum Heisenberg während des Nationalsozialismus nicht emigrierte, und auf die Beschreibung der Internierung im britischen Farm Hall, während die Bombe auf Hiroshima fiel.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.03.2015

Dass die Verbindung von Literatur und moderner Physik gelingen kann - ohne dass literarische Schönheit im "Begriffsarg" landet, stellt Jerome Ferrari mit seinem neuen Roman "Das Prinzip" wunderbar unter Beweis, schwärmt Rezensent Niklas Bender. Existenzielle Gedanken, anschauliche Sprache und feinsinnige psychologische Beobachtungen gehen in diesem Buch über Leben und Werk Werner Heisenbergs eine kongeniale Verbindung ein, schreibt der Kritiker, der sich von dem abstrakten Thema nicht abschrecken lässt. Und so arbeitet sich der begeisterte Rezensent durch die vier Kapitel, folgt etwa Heisenbergs moralischem Handeln während der NS-Zeit oder erlebt die sechsmonatige Kriegsgefangenschaft des Physikers und begegnet darüber hinaus Ferraris anonymen Ich-Erzähler, der im Studium an Heisenbergs "Physik und Philosophie" scheitert und schließlich im Nahen Osten windige Geschäfte macht. Auch wenn die Verbindung zwischen den beiden Erzählsträngen bisweilen "knirscht", es dem Roman auch ein wenig an "konkretem" Leben mangelt, hat Bender sich von diesem Ausnahmebuch gern in die Erkenntniskraft und Schönheit von Heisenbergs Gedankenwelt entführen lassen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.02.2015

Auf starke französische, nein: europäische Gegenwartsliteratur trifft Joseph Hanimann in Jérôme Ferraris neuem Roman. Warum sich ausgerechnet ein Korse dem Leben Werner Heisenbergs literarisch zuwendet, scheint Hanimann nach dieser Lektüre eine zweitrangige Frage zu sein. Wie der Autor aus den Quellen schöpft, um Heisenberg als Forscher in seinem Jahrhundert darzustellen, eher verschlungen und vielschichtig als grell und sarkastisch, wie Hanimann anmerkt, gefällt dem Rezensenten außerordentlich gut. Laut Hanimann weiß der Autor nicht nur, wie sich ein großer Stoff auf kleinem Raum szenisch anordnen lässt, er entgeht auch der Gefahr eines "wissenschaftsgeschichtlichen Digest", so Hanimann, indem er die menschliche Seite des Forschers hervorhebt, ohne allzu anekdotisch zu werden.
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