Im Frühjahr 1945 verhafteten die Amerikaner die deutsche Physiker-Elite um Heisenberg, Hahn und Weizsäcker und internierten sie auf einem englischen Landsitz. Dort erfuhren die Wissenschaftler vom Abwurf der Hiroshima-Bombe. Neben der globalen Katastrophe war dies auch eine persönliche Niederlage, denn bis dahin waren die Forscher überzeugt, dass nur sie das Geheimnis der Kernspaltung kannten. Spannend wie einen Thriller erzählt Richard von Schirach, wie es kam, dass Nazi-Deutschland am Ende in einem süddeutschen Weinkeller fast noch in den Besitz einer Uranbombe gekommen wäre. Er erzählt von Superstars, die nach Weltformeln suchten und sich in beiden Weltkriegen in deutsche Kriegsverbrechen verstricken ließen. Ein Drama von Genialität, Hybris, Naivität und Schuld, wie es sich nur in Deutschland zutragen konnte.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.01.2013
Dass der Autor den persönlichen Bezug ausblendet (Sommer '45 war der Sohn Baldur von Schirachs allerdings auch erst 3 Jahre alt) und stattdessen die Rechtfertigungsstrategien der NS-Eliten, namentlich der Akteure des deutschen Uranprojekts lebendig erzählt in den Blick nimmt, erscheint Oliver Pfohlmann als Glücksfall. Ebenso gefällt ihm die achronologische Darstellung, die etwa auch Otto Hahns Giftgaskriegsaktivitäten umfasst. Spannend wie ein Krimi liest sich das Buch laut Rezensent sowieso, jedenfalls solange der Autor bloß den eitlen Atomwettlauf schildert. Wenn Richard von Schirach allerdings mit Nagasaki und Hiroshima die Folgen schildert, bricht der Schock über den Rezensenten herein.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.01.2013
Um die Episode der zehn nach Kriegsende auf dem englischen Landsitz Farm Hall internierten deutschen Atomphysiker ranken sich zahlreiche Legenden. Etwa die von Carl Friedrich von Weizsäcker in die Welt gesetzte, nach der in Hitler-Deutschland friedliche Kernenergie entwickelt worden sei, während die West-Alliierten die Atombombe bauten. Obwohl das mittlerweile entkräftet ist, wie Rezensent Dieter Hoffmann weiß, macht sich Richard von Schirach daran, auf der Grundlage der Farm-Hall-Protokolle noch einmal zu ergründen, was genau die deutschen Forscher getan und gewusst haben. Indem er das Geschehen historisch kontextualisiert, gelingt es dem Autor, den Mythos um die Nazi-Wissenschaftler zu demaskieren, lobt der Rezensent, der allerdings den starken Fokus auf die einzige Quelle der Protokolle bemängelt. Alles in allem eine "lesbare Studie", so das lauwarme Fazit.
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