Zum fünften Jahrestag der Errichtung des antifaschistischen Schutzwalls kam am 13. August 1966 im Leipziger Osten ein Kind mit glänzenden Aussichten zur Welt. Seine Schritte waren auf drei Jahrzehnte hin vorgezeichnet, die erforderlichen Mitgliedsausweise bereits vorgedruckt. Es wäre auch alles nach Plan verlaufen, wenn seine Familie nicht so übereifrig sozialistisch und er selber nicht aus Fleisch und Blut gewesen wäre. Jens Bisky hat die DDR auf ungewöhnliche Weise erlebt - in der Pionierrepublik am Werbellinsee, in Ostberliner Schwulenbars und einer sächsischen Offiziershochschule.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.02.2005
Rezensent Uwe Stolzmann ist ein wenig enttäuscht, dass Jens Biskys Erinnerungen an seine Jugend in der DDR am Ende ein wenig abflachen. Er hätte sich gewünscht, dass der Autor auf dem "Hochsitz des Beobachters" geblieben wäre. Von dort aus nämlich zeichnet Bisky im ersten Teil des Buches in "glänzendem Stil" ein neues Bild der DDR. Fünf Jahre nach dem Mauerbau geboren, erinnert sich der Autor "mit Tiefgang" an die damalige Gesellschaft. Besonders lobenswert findet der Rezensent, dass nach der "Ostalgiewelle" nun erstmals der Versuch unternommen wird, das "Zwiespältige" zu ergründen, in dem Ja und Nein zur DDR gleichermaßen einen Platz finden. Gegen Ende des Buchs betrachte sich der Autor dagegen selbst nicht mehr als "Fall", sondern als "schuldig"; der Ton der Verteidigung wird "heiser" und die Analyse gerate bedauerlicher Weise zur "Rechtfertigung".
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 11.11.2004
Jens Bisky habe ein "wahres Buch" über die DDR geschrieben, notiert Toralf Staud, der es als "Gegengift gegen DDR-Nostalgie" all jenen wärmstens an Herz legt, die die Wirklichkeit des SED-Regimes schon vergessen haben. Obwohl der Verlag wohl damit kalkuliere, mit Biskys Erinnerungen auf der "Zonenkinder-Welle" zu schwimmen, unterscheide den Autor sowohl sein fortgeschrittenes Alter als auch sein elitärer Status als Kaderkind von Jana Hensel & Co. Beides wirke sich positiv aus. Bisky "seziert" die DDR ohne die Wut eines Dissidenten, was die Analyse noch klarer werden lässt. Und Bisky "plappert nicht, er reflektiert". So beschreibe er etwa mit "genauem Blick", mit welch subtilen Methoden die DDR Gefolgschaft einstudierte und einforderte. "Seltsam blass" fallen für den Rezensenten dagegen die Schlusskapitel über die Wende und die Ankunft in der Bundesrepublik aus.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 06.10.2004
Der Rezensent Gerrit Bartels freut sich über die Veröffentlichung von dieser Autobiografie des 38-Jährigen, der in der realsozialistischen Upperclass aufgewachsen ist und heute als Feuilletonredakteur bei der Süddeutschen Zeitung arbeitet. Bartels findet erfreulich, dass sich Bisky nicht "zum Sprecher einer Generation" machen will - anders als viele seiner Kollegen wie Peter Richter oder Jana Hensel - sondern einen subjektiven Blick auf die erlebten Geschehnisse wirft. Das gelingt ihm, obwohl er verschiedene literarische Gattungen miteinander verbindet: "Sachbuch, Belletristik und dokumentarische Literatur verschränken sich auf innigste miteinander".
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