Die erste Gesamtdarstellung der Geschichte der "Kasernierten Volkspolizei" untersucht Organisation und Struktur des NVA-Vorläufers, und fragt nach Ausbildung und Bewaffnung sowie dem Beziehungsgeflecht von Militär und Gesellschaft in der frühen DDR.
Nachdem die Volkspolizei zunächst aus der Arbeiterschaft rekrutiert wurde, begann 1948 der Aufbau sogenannter "Bereitschaften", für die auch ehemalige Wehrmachtsangehörige aus sowjetischen Gefangenlagern verpflichtet wurden, wie Rezensent Otto Diedrichs schreibt. Vorbei am Alliierten Kontrollrat wurden so von der Sowjetführung und der DDR militärische Strukturen, die "Kasernierte Volkspolizei" als Vorläufer der Nationalen Volksarmee zur Verteidigung des marxistisch-leninistischen Staates aufgebaut, wie die Autoren laut Diedrichs "überzeugend" und detailliert darlegen. Zudem überrasche das Buch mit Einzelheiten, zum Beispiel zum Misstrauen der DDR-Führung gegenüber der Loyalität dieser neuen Truppe, die dann am 17. Juni 1953 auch mit nur wenig oder gar keiner Munition eingesetzt wurden, um eine bewaffnete Verstärkung der Aufständischen unmöglich zu machen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.09.2001
Profunde Arbeit, das, meint Rolf Helfert. Studien über die Kasernierte Volkspolizei (KVP) der DDR gibt es zwar schon einige, aber die Archivbestände des DDR-Militärs und der SED (nicht die sowjetischen, wie Helfert bedauert) hat vor diesen Autoren, Historiker für Militärgeschichte alle beide, offenbar noch niemand derart gründlich danach abgegrast. Dargelegt findet der Leser das Innenleben der KVP, die politische Indoktrination durch die SED, den soldatischen Alltag, das Beziehungsgeflecht zwischen Militär und Gesellschaft und - Helfert betont's - das zeitgeschichtliche Umfeld (Kalter Krieg etc.). Ergibt für den Rezensenten insgesamt ein "Standardwerk zur Militärgeschichte der DDR" und einen "bedeutsamen Beitrag zur DDR-Forschung".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.08.2001
Dass die Kasernierte Volkspolizei (KVP) tatsächlich ein Vorläufer der Nationalen Volksarmee (NVA) war und die DDR damit wesentlich früher über militärisches Potential verfügte als die Bundesrepublik - diese Erkenntnis allein reißt einen noch nicht vom Hocker, meint Gunther Heydemann, da man dies ja auch so erwartet habe. In den Details dieser paramilitärischen Frühgeschichte der DDR steckt für ihn dennoch viel Interessantes und Wissenswertes. Denn die Aufbauphase der KVP vollzog sich ausgesprochen mühsam - ständig liefen ihr die Leute weg, u.a. weil man trotz besserer Besoldung die politische Dauerindoktrination und den rüden Kommisston nicht mochte. Noch beim Aufstand vom 17. Juni 1953 erweist sich die KVP als teilweise unzuverlässig, berichtet Heydemann, erst danach besserten sich Ausbildung und Moral der Einheiten. Herausgegeben wurde diese Studie im Übrigen vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Potsdam, das laut Heydemann einen modernen methodischen Ansatz verfolgt, der Militärgeschichte nicht vom gesellschaftlichen Kontext isoliert.
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