Mit Schwarzweiß-Abbildungen. Als Jenny von Sperber Fritz zum ersten Mal begegnet, lässt der Gorilla sie nicht aus den Augen. Er ist damals schon über 50 Jahre alt, aber immer noch sehr charismatisch. Für die Journalistin ist klar: Sie will alles über das Leben von Fritz herausfinden. Geboren 1963, kam er 1966 als Wildfang von Kamerun nach Deutschland. Zu dieser Zeit waren Menschenaffen in Europa noch Seltenheiten, mussten mit Löffeln essen und bekamen Hammelfleisch zu Mittag. Als der Handel mit wilden Gorillas endlich verboten wurde, war Fritz schon mehrfacher Vater. Diese faszinierende Gorilla-Familiensaga erzählt nicht nur das bewegte Leben von Fritz, sondern zeigt auch die Entwicklung in europäischen Zoos im Umgang mit Menschenaffen auf. Sicher ist heute vieles deutlich besser geworden. Doch es bleiben Fragen, zum Beispiel, was es mit uns Menschen macht, wenn wir unsere nächsten Verwandten hinter Glas bestaunen. Und: Ist es überhaupt noch zeitgemäß, Menschenaffen einzusperren?
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 29.04.2022
Einer guten Biografin geht es nie nur darum, die Lebensgeschichte eines Einzelnen zu erzählen, glaubt Rezensent Michael Lange und freut sich daher, dass Jenny von Sperber in ihrem Buch mehr verhandelt als nur die Biografie eines "faszinierenden Menschenaffen", wie es im Untertitel heißt. Zwar kann sie die Faszination und das Anliegen der Zoowärter und -besucherinnen nachvollziehen, schließlich war es eben diese Faszination, die sie dazu bewegte das vorliegende Buch überhaupt zu schreiben, erzählt Lange. Doch wird in "Fritz, der Gorilla" auch eine grundsätzliche Kritik an den Lebensbedingungen der Tiere in den Zoos sowie an den schockierenden Umständen ihrer Beschaffung deutlich. Dieses Buch ist somit mehr als nur die "spannende Lebensgeschichte" eines Gorillas. Es klärt auf und regt auf subtile Weise dazu an, unser Verhältnis und Verhalten gegenüber unseren nächsten "Verwandten" aus dem Tierreich zu reflektieren.
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