Jeffrey D. Sachs

Das Ende der Armut

Ein ökonomisches Programm für eine gerechtere Welt
Cover: Das Ende der Armut
Siedler Verlag, München 2005
ISBN 9783886808304
Gebunden, 480 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Thorsten Schmidt und Udo Rennert. Wir können die extreme Armut in der Welt abschaffen, nicht erst in der fernen Zukunft, sondern in unserer Gegenwart. Das ist die Botschaft Jeffrey Sachs', der zu den einflussreichsten Ökonomen der Welt zählt. In seinem Buch führt er die Erkenntnisse und Erfahrungen aus seiner mehr als 20-jährigen internationalen Tätigkeit zusammen. Es gipfelt in einem Programm, das Wege aufzeigt, wie auch die Menschen der ärmsten Länder an wirtschaftlichem Wohlstand beteiligt werden können. Sachs versteht es, Schilderungen seiner persönlichen Erlebnisse vor Ort mit messerscharfer ökonomischer Analyse zu verbinden. Nüchtern zieht er Bilanz über die gegenwärtige Lage der Weltökonomie und stellt dar, wie es zu der heutigen Verteilung von Wohlstand und Armut auf der Welt gekommen ist. Die praktischen Lösungen, die Sachs vorschlägt, setzen an den ökonomischen und politischen, den sozialen und ökologischen Rahmenbedingungen eines Landes an. Jeffrey Sachs zeigt, dass der Kampf gegen die Armut nicht nur eine moralische Verpflichtung ist, sondern auch existenzielle Bedeutung für die reichen Volkswirtschaften hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.11.2005

Jeff D. Sachs hält für das komplexe Problem der "extremen Armut" einfache Lösungen bereit, stellt Bruno Preisendörfer fest. Der amerikanische Ökonom macht sich in seinem Buch dafür stark, Gelder aus dem Verteidigungshaushalt zur Wirtschaftsförderung armer Länder umzuschichten und "Superreiche" stärker zu besteuern, erklärt der Rezensent. Sachs beschreibt in seinem Plädoyer für die Ärmsten der Welt das "UN-Millennium-Projekt", dessen Direktor er ist, und geht auf die seiner Ansicht nach falsche Finanzpolitik des Internationalen Währungsfonds ein, fasst der Rezensent zusammen, der betont, dass sich der Autor keinesfalls als "Globalisierungskritiker" verstanden sehen will. Die Rechnung von Sachs, dass die 400 reichsten Amerikaner mehr besitzen als das Volkseinkommen von Botswana, Senegal, Uganda und Nigeria zusammen ausmacht, findet Preisendörfer zwar "etwas bizarr", doch auch die "Verhältnisse" sind es, wie er betont. Politische Probleme, wie beispielsweise der Durchsetzung einer Abgabe von 0,7 Prozentpunkten des jährlichen Bruttoeinkommens der reichen Staaten an die armen, werden, wie Preisendörfer findet, "nur knapp und matt" zur Sprache gebracht, und wenn Sachs über seine Beratertätigkeit für Staaten wie Bolivien oder Russland berichtet, mangelt es nicht an "unfreiwilliger" Komik, bemerkt der Rezensent. Trotzdem lobt er das Buch als "empfehlenswert, weil die "einfachen Lösungen", die der Autor vorschlägt, durchaus auf "komplexen Analysen" beruhen, wie er anerkennend betont.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.10.2005

Einen "Großtheoretiker der Armutshilfe" nennt Rezensent Wolfgang Sachs den Ökonomen Jeffrey D. Sachs. Für das Programm zur Beseitigung globalen Elends, das Sachs darlegt, äußert der Rezensent durchaus Sympathie und Zustimmung. Ausführlich referiert er die wichtigsten Punkte.Sachs bricht mit der Annahme, ein allgemeines Wachstum würde schon von alleine zu den Armen durchsickern, fordert direkte Investitionen zur Armutsbekämpfung, entwickelt eine internationale Sozialpolitik und baut auf einen Rationalisierungsschub mit Investitions-, Finanz-, Geber- und Rahmenplänen, um bis zum Jahr 2015 eine Halbierung der Armut zu erreichen. Soweit, so gut. Problematisch erscheint dem Rezensenten allerdings, dass der Autor die Überwindung der Armut als Ergebnis eines Behandlungsprogramm von außen versteht. Für ihn dagegen rührt Armut aber nicht primär Mangel an Geld her, sondern von einem Mangel an Macht. Die Armen sieht er in erster Linie als verhinderte Akteure und nicht als Opfer. Armutsbekämpfung verlange daher Grundrechtsstrategien. Dergleichen Überlegungen aber vermisst er bei Sachs schmerzlich - ein Punkt, für den er auch dessen falsche Auffassung der Genese der Armut verantwortlich macht. Nach Stichworten wie Landreform, fairer Welthandel oder globale Umweltverantwortung suche man bei Sachs deshalb vergeblich.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.09.2005

Andreas Eckert ist nicht sehr zuversichtlich, dass Jeffrey D. Sachs' Rezepte auf kurze oder lange Sicht die Armut in Afrika beseitigen können. Der "Starökonom" wolle die Wirtschaft des Kontinents durch gezielte Eingriffe heilen, erarbeite seinen Maßnahmenkatalog aber auf der Basis von Binsenweisheiten. Klar, meint Eckert, Optimismus tut Not, wo andere längst kapitulierend die Hände heben und Afrika zum "hoffnungslosen Fall" erklären. Ebenso richtig ist es, die Pauschalprinzipien zu hinterfragen, mit denen Weltbank & Co. die afrikanische Situation gestalten wollen, und stattdessen auf "Differentialdiagnosen" und die Beachtung von speziellen Kontexten zu drängen. Und mehr Geld kann auch nicht schaden. Nur: Originell sind die Ideen nicht, und die Frage, wie man die Mittel "zielgerichtet" verwendet, ist dadurch noch lange nicht beantwortet. Geld und Optimismus allein, so könnte man Eckerts Fazit ziehen, genügen nicht.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.09.2005

Der Titel, das stellt der Rezensent (Kürzel "mbe") gleich klar, ist durchaus Ernst zu nehmen. Der hoch renommierte Wirtschaftswissenschaftler Jeffrey D. Sachs glaubt tatsächlich, das Rezept zur Beseitigung der globalen Armut gefunden zu haben. Und sehr lange dauert es nicht, 2025 ist es vorbei mit Hunger und Bedürftigkeit. Das Rezept ist auch ganz einfach, es muss einfach mehr Geld in die Entwicklungshilfe fließen, genauer gesagt: doppelt so viel wie bisher. Das rechnet Sachs vor, und immerhin sind seine Thesen schon in die jüngsten Uno-Bericht zur "Verwirklichung der Millennium-Ziele" eingeflossen. Der Rezensent zeigt sich dennoch sehr skeptisch: Das alles sei zwar sehr typisch für den derzeit mal wieder grassierenden "Machbarkeitsglauben", es ignoriere aber die Probleme, die sich in den letzten Jahrzehnten immer klarer gezeigt haben. Geld allein hilft nicht, es gelangt in schlecht und korrupt organisierten Systemen oft an die Falschen. Wie diese Probleme aber zu lösen seien, dazu habe Sachs leider auch kein Rezept.

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