Dies ist die erste fundierte Biografie, die Karl Luegers Leben in den Kontext der von ihm gegründeten Christlichsozialen Partei einbettet. Das Leben des Wiener Bürgermeisters war in so überragender Weise ein öffentlich-politisches, so untrennbar mit der Politik in Wien verknüpft, dass man Lueger als Person nicht verstehen kann, ohne die Partei mit zu bedenken, die er gründete. John W. Boyer untersucht, wie Luegers Verwaltung in Wien funktionierte, was seine Prioritäten waren, und wie sein politisches Agieren mit den größeren Problemen zusammenhing, die sich in der österreichischen Monarchie zwischen 1895 und 1914 entwickelten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2010
Carsten Kretschmann schätzt den britischen John Boyer als einen der besten Kenner der christlichsozialen Ära Wiens und ihres berüchtigten Frontmanns Karl Lueger und nimmt diese Publikation mit großem Interesse zur Kenntnis. Allerdings möchte er den vom verlag geweckten falschen Erwartungen vorbauen, hierbei handelte es sich um eine Biografie des charismatischen, und schreiend antisemitischen Wiener Bürgermeisters. Boyer liefert vielmehr eine detaillierte, zum Teil etwas kleinteilige Analyse der christlichsozialen Politik in dieser Zeit sowie der Wiener Verwaltungsgeschichte, für die Armenfürsorge ein wichtiger Bestandteil der sozialen Kontrolle wurde. Als Erkenntnis entnimmt Kretschmann diesem Buch auch, dass Lueger, bei dem Adolf Hitler quasi in die politische Schule ging, auch einen neuen Politikertypus darstellte, der ganz in seiner Sache aufging und seine eher heterogene Bewegung auf den Antisemitismus als kleinstem gemeinsamen Nenner stützte.
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