Die Jugendtagebücher Kaiser Franz Josephs galten schon zu seinen Lebzeiten als verschollen. 1918 unter abenteuerlichen Umständen im letzten Moment vor der Vernichtung gerettet, wurde der wertvolle Fund einem Privatarchiv einverleibt. Anna Maria Sigmund hat diesem Dokument die informativsten Passagen entnommen, sie mit Zeitschilderungen aus dem Vormärz versehen und reichhaltiges Bildmaterial beigefügt. Die Tagebucheintragungen des jungen Franz Joseph ab 1843 enthalten Schilderungen über das Privatleben der kaiserlichen Familie, die Erziehung des späteren Monarchen, die Sommeraufenthalte in Bad Ischl und der bayerischen Verwandten sowie die Bildungsreisen durch die Monarchie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.11.1999
Mit einiger Ironie macht Ulrich Weinzierl klar, dass die Sensation um diese Tagebücher nicht so groß ist, wie es die Wiener Presse offensichtlich behauptete. Er betont, dass der spätere Kaiser diese Tagebücher auf Geheiß seiner strengen Mutter, der Erzherzogin Sophie, schreiben musste, die damit sein Seelenleben kontrollieren wollte. Der Wert für die historische Wissenschaft scheint "minimal", manches aus den Tagebüchern sei der Forschung auch schon bekannt gewesen. Immerhin aber könne man aus all dem, was Franz Joseph gerade nicht sagt, die düstere Wucht der "schwarzen Pädagogik" des 19. Jahrhunderts ablesen. Irgendwann notiert der Kaiser seinen Stimmbruch und legt das Tagebuch, dem er selbst "offenbar geringe Bedeutung" beimaß, zur Seite.
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