Jean-Francois Lyotard

Das Elend der Philosophie

Passagen-Verlag, Wien 2004
ISBN 9783851655513
Kartoniert, 320 Seiten, 35,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Peter Engelmann. Aus dem Französischen von Eva Werth und Bilge Ertugrul Gibt es heute noch Gründe, die Größe des Denkens zu schätzen? Versteht man die Macht des Geistes als einen die Realität restlos verschlingenden Alptraum, dann kann Denken heute nur heißen, der Herausforderung der Demut standzuhalten: "Elend der Philosophie". Ob sie nun Kunst, Literatur, Psychoanalyse, Religion oder ihre eigene Praxis im Namen des Juden- oder Christentums, im Namen von Bataille, Freud, Quignard, Kant, Châtelet oder Skira befragt - Lyotards "philosophie en acte" akzentuiert "ihren Sinn der Trennung". Die Erfahrung hat kein ihr immanentes Konzept, man muss sie dekonstruieren und rekonstruieren.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.09.2004

Kurz kommt der Rezensent Clemens Pornschlegel auf das Buch selbst zu sprechen, eine Nachlasssammlung von Texten Jean-Francois Lyotards, die dieser nicht mehr zu einem abgerundeten Werk zusammenstellen konnte. Konsequent finden sich in den Aufsätzen zu Deleuze, zur Malerei, zu Malraux die vertrauten Motive wider, vor allem der ständige Einspruch gegen die Machtansprüche der Vernunft im Namen des Ereignisses. Das macht aber, wie gesagt, eher den kleineren Teil der Kritik Pornschlegels aus. Der Rest gilt der Verdammung der deutschen Übersetzung, deren Missgriffe Beispiel für Beispiel vorgeführt werden, etwa: "das Wittgensteinsche 'alles, was der Fall ist' gerät zum 'Gesamt dessen, was passiert'." Ausgenommen von der Kritik sind nur von Joseph Vogl und Eberhard Gruber zuvor schon übersetzte Texte. Schleunigst sollte der Verlag diese Peinlichkeit durch eine überarbeitete zweite Auflage ersetzen, empfiehlt der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.08.2004

Eine "Philosophie des Elends" schrieb 1846 der Anarchist Pierre Joseph Prudhon. Karl Marx replizierte mit einem Text zum "Elend der Philosophie". Just diesen Titel trägt nun die postume Sammlung kurzer Texte von Francois Lyotard, die ihren Fixpunkt bei Immanuel Kant finden - was der Rezensent mit dem Kürzel "upj" durchaus erstaunlich findet. Es geht darin entsprechend keineswegs um die Verdammung der Philosophie, sondern darum, sie zu "retten". Dies allerdings gerade in einer Geste des Partikularen, die die Philosophie, so Dolores Lyotard im Vorwort, vor der "Totalität des Denkens" bewahren will.