Aus dem Französischen von Monika Noll und Dirk Uffelmann. Im Februar 1990 reiste Jacques Derrida zum ersten Mal nach Moskau. Während dieses Aufenthalts traf er mit mehreren russischen querdenkenden Philosophen zusammen. Zurück in den USA schrieb er einige Wochen später (auf Anregung der amerikanischen Gruppe Critical Theory) seine Überlegungen zum Thema Zurück aus Sowjetrussland nieder eine unmögliche Reiseerzählung, die sich einreiht in die Linie der anderen berühmten Berichte: von Walter Benjamin (1926-1927), Andre Gide (1936-1937) und anderen. In den hier versammelten Texten gibt Jacques Derrida die von der Reise und ihrem Kontext ausgelösten Reflexionen wieder. Der Leser erlebt, wie eine der wichtigsten Philosophien unserer Zeit den rücksichtslosen Veränderungen der Welt und ihrer ungewissen Zukunft begegnet. Das wirft die Frage nach der Zeugenschaft des Intellektuellen auf.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.09.2005
"Die Sprache der Mitteilung steht für Verfall", schrieb Jacques Derrida im Reisebericht über seinen zehntätigen Moskauaufenthalt des Jahres 1990, erläutert Rezensent Felix Philipp Ingold die typisch Derridaschen Vertracktheiten. Und um diesem "Verfall" zu entgehen, so Ingold, habe Derrida alle "greifbaren" Moskaureisebücher aus dem Regal gezogen und anstelle eines Reiseberichts einen Text über Texte von anderen Moskaubesuchern wie Walter Benjamin oder Andre Gide geschrieben. Dieser Metatext über die Unmöglichkeit einer gelungenen Reisebeschreibung, versucht Ingold eine Beschreibung, sei äußerst "assoziativ" und "ausufernd" geschrieben bis hin zu rein klanglichen Assoziationen von Wörtern wie "October" oder "Travel Agency". Konsequent sei Derrida auch beim Schluss des "Traktats", der aus einer langen Liste von Themen bestehe, über die er eigentlich hätte schreiben wollen. Und vollendet konsequent sei das offene Ende dieser Möglichkeitsliste. Bedauerlich findet Ingold allein die Verspätung, mit der das Buch nun auf Deutsch erschienen ist.
Lena Schätte: Das Schwarz an den Händen meines Vaters Motte wird sie von ihrem Vater genannt. Eigentlich hat sie sogar zwei Väter: den einen, der schnell rennen kann und sich auf alle Fragen eine Antwort ausdenkt. Und den anderen,… Angelika Klüssendorf: Trost 2022. Angelika Klüssendorf erzählt von Liebe, Entzweiung und der Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Rita, Meisterin darin, sich in die falschen Männer zu verlieben, fällt plötzlich… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Christine Wunnicke: Wachs Schauplatz ist Frankreich im 18. Jahrhundert, das vorrevolutionäre und das überaus revolutionäre. Und es lieben sich zwei Frauen, die verschiedener nicht sein könnten: Marie…