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Javier Marias

Die sterblich Verliebten

Roman
Cover: Die sterblich Verliebten
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2012
ISBN 9783100478313
Gebunden, 432 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Susanne Lange. Keiner kennt so gut die verborgenen Winkel der Herzen. Dies hat Javier Marías berühmt gemacht. Madrid, ein Café: Jeden Morgen beobachtet María das perfekte Paar Luisa und Miguel. Sie ist gefangen von der zärtlichen Aufmerksamkeit der Liebenden. Doch dann geschieht etwas Schreckliches, und María gerät in einen Irrgarten aus Ahnungen und Verdächtigungen. Sie kennt die Liebe, sie kennt den Tod, aber kennt sie auch die Wahrheit.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.03.2012

Sehr beeindruckt ist Piero Salabè von Javier Marias' "Die sterblich Verliebten", ein Roman, der, wie er findet, meisterhaft eine moralische Zwickmühle ausleuchtet und die Verblendungen der Verliebtheit scharf in den Blick nimmt. Die Verlagsangestellte Maria, die täglich ein scheinbar ideales Liebespaar in einem Café beobachtet, erfährt, dass der Mann ermordet wird. Im Verlauf des Romans erwächst ihr zudem der Verdacht, dass der Freund des Ermordeten. ihr zeitweiliger Geliebter, den Mord selbst in Auftrag gegeben hat, erklärt der Rezensent. Schlichtweg grandios findet der begeisterte Salabè, wie der spanische Autor die Verliebtheit als Zustand analysiert, in der sich Fiktion und Realität vermischen und mit dem Instrument der Sprache in aller Skepsis ausleuchtet. So wird in diesem Roman "alles Erzählung", man weiß nicht, wessen Darstellung zu trauen ist. Was sich hier entfaltet, sei die "Ästhetik des Verdachts", in der es keine Gewissheiten gibt, und zudem eine moderne Art des "Sündenfalls", denn die Verliebtheit verhindert das moralische Verhalten der Protagonisten, so Salabè Gleichzeitig steckt in der Lüge, hinter der sich die Figuren verbergen, auch eine letzte Bastion der "Freiheit", konstatiert der Rezensent, der auch mit der Übersetzung des Romans durch Susanne Lange restlos glücklich ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.03.2012

Naja, das bisschen Geschwätzigkeit des Altmeisters Javier Marias kann Katharina Teutsch dem Autor wohl verzeihen. Sie kennt seine Wahrnehmungsexperimente, sein explizites Abheben auf die Zweifel an der selbst so routiniert inszenierten Rede. Wenn Marias also erneut anhebt, zwischen Thriller und Melodram das Erzählerische selbst zu problematisieren, scheint das für sie okay zu sein. Immerhin macht Marias es diesmal in etwas kleinerem Rahmen, als Kammerspiel gewissermaßen einer Ehepaargeschichte, die es natürlich faustdick hinter der Fassade hat, wie sich zeigt, und wie der Rezensentin auf durchaus bewährte trickreiche Weise vom Meister peu a peu enthüllt wird.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.03.2012

Javier Marias' Roman "Die sterblichen Verliebten" hat erstmals eine Ich-Erzählerin, die allerdings ihren männlichen Vorgängern in nichts nachsteht, was Scharfsinn, den Hang zum Grübeln und den Zynismus angeht, meint Ralph Hammerthaler. Die literarische Methode des spanischen Autors ist eine im Reflektieren und Denken sich entwickelnde, wie Marias selbst erklärt hat, weshalb sich die Geschichte um Maria, die den Verdacht hat, dass ihr ehemaliger Liebhaber für die Ermordung seines Freundes verantwortlich ist, weniger als stringenter Handlungsverlauf, denn als "gut kalkulierte Drehpunkte" darstellt, meint der Rezensent. Das alles ist spannend und besonders durch seinen vorwärtsdrängenden Rhythmus packend erzählt und, wie Hammerthaler findet, glänzend durch Susanne Lange ins Deutsche übersetzt. Und dennoch kann er sich für den Roman nicht ganz erwärmen, was daran liegt, dass ihm die Erzählmaschine einfach ein wenig zu gut geölt ist. Der "gepflegte Ton" und der auf Steigerung setzende Erzählrhythmus bilden die emotionalen Verwerfungen der Figuren in keiner Weise ab, und das lässt Hammerthaler das Ganze eben doch ein wenig schal werden.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.02.2012

Ijoma Mangold gibt sich als großer Verehrer Javier Marias' zu erkennen, um den es in den vergangenen Jahren recht ruhig war. Kann sein, dass dessen Trilogie "Dein Gesicht morgen" zu esoterisch, zu elitär daherkam, räumt Mangold ein, der selbst jedoch mit Freude zur Kenntnis nimmt, dass der spanische Autor in seinem neuen, etwas eingängigeren Roman seinem Thema treu bleibt: Wer ist der Mensch, was ist die Liebe, wie erkennen wir uns und sie? In "Die sterblich Verliebten" erzählt Marias von einer Frau, die sich in einen Mann verliebt, der wiederum eine Frau liebt, deren Mann ermordet wurde. Beide glauben und hoffen, dass die Zeit für sie arbeitet, doch ihre "strategische Hartnäckigkeit" wird ihnen nicht viel nützen, verrät Mangold. Keiner kennt die Menschen so gut wie Marias, findet Mangold, der sehr viel gelernt hat in diesem Roman, über den Menschen, seine Selbsterkenntnis und seine Fantasien.