In was für einer Welt leben wir? Am 11. September 2001 hat eine neue Epoche begonnen, und lange war nicht klar, was ihr Leitmotiv sein würde. Der Kampf mit dem Islam? Die grenzenlose Vorherrschaft der USA? Es ist anders gekommen: Das Schlüsselphänomen unserer Zeit ist die Schwäche des Westens. Er wird doppelt herausgefordert, von den zornigen Muslimen und vom Aufstieg Asiens. Nicht allein die Macht des Westens ist in Frage gestellt, sondern auch seine Werte wie Menschenrechte, Christentum und Säkularisierung. Europa täuscht sich, wenn es nur Amerika in der Krise sieht: Wir sind es auch. Von den Perserkriegen über die Kreuzzüge und Türkenfeldzüge bis zu den Kolonialreichen und zum Systemwettstreit mit der Sowjetunion ist der Westen eine unverwechselbare historische Kraft gewesen, und meistens siegreich. Zum ersten Mal seit Jahrhunderten stellt sich jetzt die Frage nach dem Ende der westlichen Weltherrschaft.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.04.2008
Dieses Buch sollte man vielleicht von hinten lesen, schlägt Martin Meyer vor. Denn erst einmal entwirft Jan Roß, Redakteur bei der "Zeit", ein Schreckensszenario, das seinen Ausgang am 11. September nimmt, um in seinem prophetischen Ausblick in die globale Zukunft ein "Ende der westlichen Weltherrschaft" zu diagnostizieren. Roß' Einschätzung, dass die westliche politische Kultur von Islamismus und asiatischem Wirtschaftswachstum bedrängt wird, findet Meyer durchaus treffend. Die Einschätzung des Autors dagegen, das westliche Selbstverständnis sei seit seinen griechischen Ursprüngen vornehmlich eine Politik der Machtbegrenzung, scheint Meyer mit Hinweis auf die Französische Revolution nur eingeschränkt richtig. Dass Roß am Ende seines Essays dann doch zu besonneneren Tönen findet und trotz seines vehementen Abgesangs auf das westliche Selbstbewusstsein die Errungenschaft der Moderne zu schätzen weiß und auf die Kraft der Demokratie setzt, scheint der Rezensent mit einer gewissen Erleichterung zur Kenntnis zu nehmen.
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