Seit 9/11 ist die Interpretation der Weltgeschichte und Weltpolitik aus einem endzeitlichen Verständnis heraus zu etwas Selbstverständlichen geworden. Nach einer Umfrage von TIME/CNN sind 59 Prozent aller US-Bürger davon überzeugt: Wir leben in einer Epoche, in der sich die Prophezeiungen aus der Johannesoffenbarung erfüllen... Der grassierende "apokalyptische Wahn" und die damit verbundene messianische Heilserwartung sind jedoch keineswegs eine rein amerikanische Krankheit, sondern zu einer "globalen Kulturströmung" geworden. Anhand einer Fülle von spektakulärem Faktenmaterial weisen V. und V. Trimondi in ihrem neuen und herausfordernden Buch nach, wie extremistische Kleriker, hoch dotierte Schriftsteller, Terroristenchefs und radikale Politiker ihre Legitimation für einen "Krieg der Religionen" aus der apokalyptisch-messianischen Prophetenliteratur ihres jeweiligen Glaubens ableiten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.03.2006
Recht zwiespältig ist die Eindruck, den Rezensent Wilfried von Bredow von diesem Buch gewonnen hat. Um seine Kritik zu begründen, erläutert er zunächst den spirituellen Hintergrund, vor dem das Autorenpaar Victor und Victoria Trimondi seine Theorien entfaltet. Bereits dieser Hintergrund ist ihm deutlich zu stark auf einen apokalyptischen Endkampf von Gut und Böse fixiert, der auch den Weltreligionen prinzipiell ihre friedlichen Wurzeln absprechen und ihnen als Produkte "archaischer Gesellschaftsordungen" grundsätzlich kriegerische Motive unterstellen würde. Der Rezensent findet diese Lesart naiv und von überschaubarem Erkenntniswert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.03.2006
Victor und Victoria Trimondi zeichnen in ihrem Buch überzeugend die "apokalyptischen Matrix" der drei monotheistischen Religionen nach und machen Vorschläge zur Lösung des Problems, wie sich die drei Religionen am Jerusalemer Tempelberg nebeneinander etablieren könnten, ohne übereinander herzufallen, stellt Burkhard Müller beeindruckt fest. Er ärgert sich bei der Lektüre zwar über einige "Schwächen" des Buches, wie falsche Schreibweisen oder "nachlässige" Übersetzungen von englischen Zitaten. Das findet er umso bedauerlicher, als dass sie den sonst vorherrschenden "Eindruck sorgfältiger Recherchen" trüben, wie er meint. Auch der Umfang des Buches stört ihn, denn er glaubt, dass er den "interessierten Laien" von der Lektüre abschrecken könnte. Es hat Müller deshalb nicht wenig Mühe bereitet, die wichtigsten Thesen des Werks herauszuarbeiten, die er in 12 Punkten referiert. Dabei sei die Hauptthese der Autoren, dass es bei den gegenwärtigen Weltkonflikten nicht um einen "Krieg der Kulturen", sondern vielmehr um einen "Krieg der Religionen" gehe, teilt der Rezensent durchaus überzeugt mit. Der Vorschlag der Trimondis, statt Kirchen oder Tempel einen Garten auf dem Jerusalemer Tempelberg einzurichten findet er sehr "originell" und gar nicht so abwegig.
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