Aus dem Englischen von Heike Schlatterer. Die Definition der eigenen kulturellen Identität und Zugehörigkeit durch Abgrenzung ist unsinnig, weil unmöglich. Der Versuch der Bewahrung einer kulturellen Scheinreinheit durch Unterdrückung von schädlichen Einflüssen muss scheitern. "Kulturen bekämpfen sich nicht, sie fließen zusammen", so heißt es im Untertitel dieses Buches. Die Autoren zeigen darin, dass dieses Zusammenfließen von Kulturen ein Naturgesetz ist. Es ist der dynamische Prozess, der kulturelle Identität und Zivilisation überhaupt erst möglich macht. Was wir heute allzu bereitwillig als "Kampf der Kulturen" zu akzeptieren bereit sind, ist nichts anderes als der verzweifelte und letztlich nutzlose Versuch, diesen fruchtbaren Prozess aufzuhalten. Trojanow und Hoskote behaupten nicht, dass das Zusammenfließen von Kulturen ein stets friedlicher Vereinigungsprozess ist, bei dem die eine Kultur die andere freudig umarmt. Aber sie werden zusammenfließen, ob uns das passt oder nicht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.11.2007
Diesen Versuch, statt Huntingtons "Kampf der Kulturen" ein Ineinanderfließen der Kulturen darzustellen, sieht Michael Jeismann als gescheitert an. Den beiden Autoren Ilija Trojanow und Ranjit Hoskote wirft Jeismann "unhistorisches" Vorgehen vor, wenn sie von muslimisch begründeten westlichen Werten schreiben. Dass die Autoren dabei auf die Binsenweisheit von der Wechselseitigkeit kultureller Einflüsse zurückgriffen, erscheint dem Rezensenten dabei eher unproblematisch, verglichen mit der von ihnen gewählten Argumentationsweise. Die nämlich, findet Jeismann, führt zu eben jener "Essentialisierung von 'Kulturen'", die zu widerlegen die Autoren angetreten sind. Das Resultat nennt Jeismann das Gegenteil einer politisch-historischen Kulturgeschichte und als solches unfruchtbar.
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