Jan Plamper

Das neue Wir

Warum Migration dazugehört: Eine andere Geschichte der Deutschen
Cover: Das neue Wir
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2019
ISBN 9783103972832
Gebunden, 400 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Es ist an der Zeit, die Einwanderung nach Deutschland neu zu erzählen - als Teil der deutschen Geschichte nach 1945 und als Erfolgsgeschichte. Denn Deutschland ist längst ein Einwanderungsland wie die USA oder Kanada. Der Historiker Jan Plamper verwebt die Geschichten der schlesischen Vertriebenen, der "Gastarbeiter" aus Italien und der Türkei, der DDR-"Vertragsarbeiter" aus Mosambik und Vietnam, der Aussiedler aus der Sowjetunion und der Flüchtlinge aus vielen weiteren Ländern zu einer anderen Geschichte der Migration. Jan Plamper schreibt bewusst nicht über "Ströme" und nur wenig über Zahlen, er erzählt von den Menschen, den Dazugekommenen und Alteingesessenen. Die Migranten und ihre Kinder und Enkel haben Deutschland seit 1945 wesentlich mitgeprägt, ob als Handwerker und Einzelhändlerinnen, als Anwälte und Ärztinnen oder als Prominente in Literatur und Pop, im Fernsehen oder in der Politik.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 13.07.2019

Karl Schlögel gefällt Jan Plampers Buch über Migration, Identität und Nation. Wie der Autor darin einzelne Schicksale und historische Entwicklungen, Interviews und politische Analysen miteinander verschneidet, findet er anregend. Geschichten über Spätaussiedler, deutsche Auswanderungsgeschichte und die Erinnerung an die Rückkehr jüdischer Flüchtlinge nach Deutschland liest Schlögel mit großem Interesse, ebenso Plampers Darstellung gelungener Integration anhand der Behandlung der Vertriebenen nach '45 und der Willkommenskultur von 2015. Letztere betreffend vermisst Schlögel allerdings den Hinweis auf die löbliche Rolle der Kommunen und Behörden. Plampers Kritik an den Populisten findet er allzu wohlfeil.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 08.06.2019

Rezensent Stefan Reinecke war nicht sicher, ob Jan Plamper wirklich noch etwas Neues zur vieldiskutierten deutschen Migrationsgeschichte sagen könnte, aber der Autor hat ihn mit einer "doppelt originellen Perspektive" überrascht: Nicht nur kontrastiert er den deutschen Umgang mit Migranten mit dem der USA, sondern er beschreibt als Pendant zu der Einwanderungsgeschichte nach Deutschland die Auswanderungsgeschichte der Deutschen nach Nordamerika, so der Kritiker. Laut Reinecke schlussfolgert der Autor aus seinem Vergleich, dass Migrationsgesellschaften besser funktionieren, wenn den Migranten Angebote gemacht werden, anstatt dass von ihnen direkte Assimilation verlangt wird. Dieses Fazit fand der gewogene Rezensent durchaus plausibel.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.05.2019

Rezensent Tomasz Kurianowicz gefällt außerordentlich, dass der Autor seine Geschichte beginnt mit den Deutschen als Auswanderern. Es habe im 19. Jahrhundert sogar einen Verein zur Hilfe bei Auswanderung gegeben, der die "Leichtigkeit" der Wanderung zum Teil des deutschen Nationalcharakters erklärt habe. Erst nach solcher Einführung in das Thema wird das Buch zu einer "minutiösen Aufarbeitung der Einwanderungsschübe" in die Bundesrepublik nach dem zweiten Weltkrieg. Deutlich positioniert sich der Historiker Plamper - auch in seiner Kritik an Sarrazin'schem Unsinn und AfD-Dummheiten - als Vertreter jener, die "von der beflügelnden Kraft der Migration" überzeugt sind. Ein wenig mehr Platz, so findet der wohlwollende Rezensent, hätte er den tatsächlichen Problemen einräumen sollen, die sich aus bestimmten Migrationsschüben ergeben haben. Das hätte seine Argumentation nur umso überzeugender gemacht.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 21.05.2019

In einer kurzen Besprechung gerät Sieglinde Geisel geradzu ins Schwärmen über Jan Plampers Buch "Das neue Wir". Der in London lehrende Historiker erzählt darin die Geschichte Deutschland aus dem Blickwinkel der Migration, wie die Rezensentin erklärt, und behandelt dabei die Auswanderung der Deutschen ins russische Zarenreich ebenso wie die nach Amerika. Dann geht es natürlich weiter zu den Vertrieben und den Displaced Persons nach dem Zweiten Weltkrieg und schließlich zu Gastarbeitern, Vertragsarbeitern und Spätaussiedler. Dass Plamper dabei auch Migranten mit ihren Erfahrungen zu Wort kommen lässt, gefällt Geisel ebenso gut wie die "Utopie einer neuen deutschen Kollektividentität", die Plamper entwirft.