Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf. Den heißen Sommer des Jahres 1996 verbringt der 13-jährige Arnoud in dem kleinen flämischen Dorf, in dem sein Vater aufgewachsen ist. Seine Großmutter ist gestorben. Eine eher lästige Angelegenheit für Arnoud - es gibt bessere Orte für die großen Sommerferien. Umso überraschter ist er, als er von seiner Großmutter sämtliche Bilder vererbt bekommt, die sie gemalt hat - Stillleben und eher drittklassig. In der kleinen Dorfkirche entdeckt er eine Gedenktafel mit dem Namen seines Großvaters und neun anderen Namen, allesamt Männer, die während der deutschen Besatzung am selben Tag exekutiert worden sind. Arnouds Vater schweigt dazu, und auch der Brief seiner Großmutter verrät nur Bruchstücke. Doch nun will Arnoud wissen, was damals passiert ist, denn er spürt immer deutlicher, dass die Geschichte seiner Familie, die zugleich die Geschichte dieses Dorfes ist, auch seine eigene ist.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 16.03.2006
Bedauerlich findet Susanne Gaschke, dass wir immer noch zwischen Jugend- und Erwachsenenliteratur unterscheiden: Denn Jan de Leeuws "Schweigen der Eulen" hält sie für ein "großartiges Buch", das ihren Befürchtungen zufolge nur als "großartiges Jugendbuch" gelten wird. Es erzählt die Geschichte des zwölfjährigen Arnoud, der in den Sommerferien mit seinem Vater die gestorbene Großmutter beerdigen muss. Die hat ihm zwei Briefe hinterlassen, die Arnoud in die Zeit des Zweiten Weltkriegs zurückführen, als seine Großmutter eine junge Frau war, die Tochter eines Metzgers, und mit der Tochter eines nazifreundlichen Barons um einen Mann kämpfen musste. Die Großmutter hat gesiegt. Doch ihr Mann, Arnouds Großvater, wird von den Deutschen hingerichtet. Ganz toll findet Gaschke, wie de Leeuw diese Geschichte erzählt, in einem Ton, der Frühreife mit Selbstironie verbindet, ohne je in eine "bemühte Jugendsprache" zu verfallen.
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