Aus dem Englischen übersetzt von Stephan Pauli. Auf 250 Seiten einmal durch 2000 Jahre deutscher Geschichte: Der Sieg gegen die Römer im Teutoburger Wald, die barbarische Grausamkeit des Dreißigjährigen Kriegs, der Aufstieg des militaristischen Preußens im 18. Jahrhundert - wie Blitzlichter scheinen diese historischen Ereignisse in James Hawes' deutscher Geschichte auf. Die alles beherrschende Frage, die sich wie ein roter Faden durch die Seiten zieht: Gehört das Herzstück Europas zum Westen oder zum Osten? Für Hawes ist klar, dass es zum Westen zählt. Die Bundesrepublik, so wie wir sie kennen, sieht er in der Tradition des wahren, historischen Deutschlands, dem Staatshörigkeit, puritanischer Eifer und narbengesichtiger Militarismus stets fremd waren. Hawes ist sich sicher: Deutschland ist heute "Europas größte Hoffnung".
Rezensent Marc Reichwein macht als roten Faden dieser "Kürzesten Geschichte Deutschlands" James Hawes' These aus, dass jegliche negative Entwicklung, die Deutschland politisch genommen hat, von "Ostelbien" ausging. Laut Reichwein begründet Hawes dies damit, dass das heutige Ostdeutschland später besiedelt und christianisiert wurde als der Westen, weshalb der Osten nach wie vor einen "Kolonisten- und Siedler"-Komplex habe, der ihn misstrauisch gegenüber Fremden mache. Der Aufstieg Hitlers sei bei Hawes ebenso diesem Umstand geschuldet wie der Populismus in Ostdeutschland, fasst Reichwein zusammen. Da er sich an "Ostelbien" festbeiße, habe der "Bouvelardhistoriker" in seiner extrem gerafften Geschichte Deutschlands immerhin eine provokante These aufgestellt, so Reichwein. Für den Rezensenten bleibt zuletzt nur zu fragen, wie sich Hawes den weiteren Umgang mit Ostdeutschland vorstellt.
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