Iwan S. Turgenjew

Aufzeichnungen eines Jägers

Samt drei Jäger-Skizzen aus dem Umkreis
Cover: Aufzeichnungen eines Jägers
Manesse Verlag, Zürich 2005
ISBN 9783717520580
Gebunden, 702 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Peter Urban. Der Titel vermittelt in einer Art verharmlosender Camouflage, es würde in diesem Buch um landläufiges Jägerlatein gehen. Doch die zaristische Zensurbehörde ließ sich durch diese Finte nicht lange hinters Licht führen und verbot die "Aufzeichnungen eines Jägers" noch im Erscheinungsjahr. Die Schilderung menschenunwürdiger Zustände, die aufklärerisch-realistische Figurenzeichnung, vom Leibeigenen bis zum Gutsbesitzer, vom Handwerker bis zum kleinen Beamten, wirkte trotz Verbots als Sprengstoff in der Diskussion um die Aufhebung der Leibeigenschaft in Russland.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.06.2005

Hocherfreut zeigt sich Rezensent Wolfgang Schneider über diese Neuübersetzung von Iwan Turgenjews Erzählband "Aufzeichnungen eines Jägers", mit dem ihm 1852 der Durchbruch gelang. Wie er berichtet, wurde die erste Ausgabe der "Aufzeichnungen" verboten, zu brisant erschien den Machthabern Turgenjews Thematisierung sozialer Missstände wie der Leibeigenschaft oder des Alkoholismus in Russland. Schneider hebt allerdings hervor, dass die Erzählungen mit Verelendungsliteratur, wie man sie aus dem deutschen Naturalismus kennt, nichts zu tun hat. Mit "dokumentarischer Genauigkeit" schildere Turgenjew die "Degradierung des Menschen", ohne je in einen Ton bloßer Anklage zu verfallen, befindet Schneider. "Nie ist Gesellschaftskritik so wirkungsvoll und so dezent zugleich vorgetragen worden." Stilistisch sieht er Turgenjew Puschkins Ideal der Knappheit und Genauigkeit verpflichtet, einer Schlichtheit, die von Übersetzern bisher oft aufgebläht wurde. Peter Urbans Neubersetzung würdigt Schneider dagegen als "herausragend" - abgesehen davon, dass er bei speziellem Vokabular für Kleidung, Berufe oder Fahrzeuge um der Treue zum Original willen den russischen Ausdruck beibehält. Die "Aufzeichnungen" kommen zur Freude Schneiders nun "erstaunlich frisch daher". Insbesondere Turgenjews Komik sei "sehr viel deutlicher" herausgearbeitet als bei den bisherigen Übersetzungen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.06.2005

In den "Aufzeichnungen eines Jägers" hat Ivan Turgenev die "Schäbigkeit" und bittere Armut des russischen Alltags der Leibeigenen genauso festgehalten wie die Schönheiten der Natur, schreibt Steffen Martus empfehlend. Für den russischen Schriftsteller waren die Prosastücke, in denen er die gesellschaftlichen Verhältnisse genau registrierte und die er ab 1847 in der von Puschkin gegründeten Zeitschrift "Der Zeitgenosse" veröffentlichte, ein "Überraschungserfolg" und führten zu seinem literarischen "Durchbruch", brachten ihm aber auch 1852 Verhaftung und Verbannung ein, so der Rezensent. Die besondere "Sprengkraft" bezogen die Texte in der Zeit durch die genaue Registrierung des erbärmlichen Lebens der Leibeigenen, die seit 1842 offiziell "nicht mehr verhandelt werden durfte", erklärt Martus, auf den die darin aufgezeichneten "Dialoge" wie "Interviews" wirken. Die neue Übersetzung von Peter Urban hat ihm ausnehmend gut gefallen, er findet, dass sie den "schlichten Ton" Turgenevs sehr gut trifft und damit eine "ganz eigene Poesie" entfaltet.
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