Mit einem Nachwort von Eckhard Henscheid. Aus dem Russischen von Christiane Pöhlmann. Die Besichtigung eines leibhaftigen Krokodils scheint Iwan Matwejitsch die geeignete Vorbereitung auf eine Europareise - da wird er von dem monströsen Tier verschluckt. Für niemanden, das Opfer eingeschlossen, ist das ein Anlass zur Klage, befördert die Attraktion eines sprechenden Menschen im Reptilienbauch doch finanzielle Interessen und Eitelkeiten aller Art. Nicht um Geld, aber um seine Glaubwürdigkeit als Mann der Reformen kämpft Staatsrat Pralinski. Um Toleranz zu demonstrieren, taucht er unangemeldet bei der Hochzeit eines Angestellten auf - "Eine peinliche Geschichte" mit chaotischen Folgen. Fünf neu übersetzte Erzählungen zeigen den russischen Großmeister Fjodor Dostojewski von einer überraschend anderen, hierzulande kaum bekannten Seite: als Autor heiterer, satirischer Geschichten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 12.05.2015
Victor Funk ist nicht zu hundert Prozent glücklich mit diesem Erzählband, der Dostojewski als Satiriker präsentieren will. In den fünf Geschichten des Bandes begegnet ihm ein Weltverbesserer, der vom Krokodil verschluckt wurde, oder ein verwitweter Ehemann, der sich mit dem Suizid seiner Frau beschäftigt. Herausragend findet der Rezensent die durch ihre Groteskheit überzeugende Erzählung "Peinliche Geschichten", die sich mit einem Beamten befasst, der sich auf einer Hochzeitsfeier einmischt. Insgesammt findet Funk durchaus witzige Passasgen, sieht dahinter jedoch immer die Dramen des Lebens. Vor allem bestechen Funk die Erzählungen nicht durch das Satirische, sondern eher durch das Groteske, das Dostojewski nutzt, um "Tragische erträglicher" zu machen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.05.2015
Mit größtem Vergnügen hat Andreas Platthaus eine Reihe unbekannter humoristischer, teils auch tragikomischer Erzählungen Dostojewskis gelesen, die nun in herrlich frischer und mit zahlreichen Erläuterungen versehener Übersetzung von Christine Pöhlmann vorliegen, wie der Rezensent berichtet. Ob die hinreißend witzige Titelgeschichte, die das Leben des Iwan Matwejitsch in einem Krokodilmagen beschreibt, oder die "Peinliche Geschichte", die nicht nur ein sprachliches Meisterwerk, sondern auch ein wundervolles Porträt der russischen Gesellschaft zur Zarenzeit ist - Platthaus ist ganz angetan, nicht zuletzt dank des bibliophilen Dünndruckbandes.
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