Luigi Capuana

Giacinta

Roman
Cover: Giacinta
Manesse Verlag, Zürich 2017
ISBN 9783717524342
Gebunden, 336 Seiten, 26,95 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Stefanie Römer. Mit einem Nachwort von Angela Oster. Missbrauch im Kindesalter und eine Ménage-à-trois - das ist der Stoff, aus dem auch 1879 schon Skandale waren. Luigi Capuana provozierte mit seinem weiblichen Entwicklungsroman "Giacinta" Italiens Moralwächter - doch die Leser liebten ihn umso mehr. Nun ist sein Meisterwerk endlich auch in deutscher Sprache zu entdecken. Giacinta Marulli ist eine erstaunliche Heldin: Kühl lächelnd und scheinbar berechnend verdreht die junge Frau den Männern den Kopf. Nur hinter vorgehaltener Hand ist von ihrer gestohlenen Kindheit die Rede, die in einer Vergewaltigung ihren traurigen Höhepunkt fand. Als der öffentliche Tratsch meint, aus dem Opfer eine verschlagene Täterin machen zu müssen, emanzipiert sich Giacinta und sucht erhobenen Hauptes ihr Seelenheil: in der Heirat mit einem Conte und der gleichzeitigen Liebschaft mit dem Mann ihres Herzens. Luigi Capuana ist ein genauer Beobachter, der in seinem Roman ein ganzes Panorama kräftig durchbluteter Figuren aus der italienischen Provinz schuf. Lebhaft und detailverliebt erzählt er nach einem wahren Fall das Leben einer tragischen und selbstbewussten Heldin.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.03.2017

Maike Albath findet Gefallen an diesem ersten Versuch in Richtung Verismo von Luigi Capuana. Das Programm der genau Beobachtung der Wirklichkeit und des Einbezugs von Figuren und Sprechweisen aus allen gesellschaftlichen Schichten kann der Autor für Albath in diesem erstmals 1879 veröffentlichten Roman über ein Frauenschicksal umsetzen. Was Albath zunächst wie eine Provinzposse vorkommt, in der es zwischen Mutter und Tochter kracht und die Vernachlässigung der Erziehung offenbar wird, gerät laut Albath zur fesselnden und präzisen Analyse gesellschaftlicher Mechanismen im Hinblick auf die Entwicklung der weiblichen Psyche. Dass der Autor seiner Figur Handlungsspielräume offenhält, findet Albath modern.
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