Ilse Aichinger

Film und Verhängnis

Blitzlichter auf ein Leben
Cover: Film und Verhängnis
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2001
ISBN 9783100005236
Gebunden, 207 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Bei Kriegsausbruch 1939 war Ilse Aichinger im Kino, bei Kriegsende übermittelt ihr eine Kinokassiererin eine Nachricht über deportierte und ermordete Verwandte: Film und Verhängnis - seither denkt Ilse Aichinger auch selbst "filmisch" über Leben, Treue und Verrat nach. Knapp, existentiell - eine ganz andere Autobiografie, die sie in einem 'Journal des Verschwindens' im zweiten Teil des Bandes noch einmal pointiert: So denkt sie etwa anlässlich von Stan Laurel und Oliver Hardy über die Absurditäten der Existenz nach. Und nach dem Ansehen von Beatles-Filmen spannt sie erinnernd einen Bogen von der ersten eigenen Englandreise 1948 bis zu den Pop-Stimmen, die in den Sixties durch die Zimmer nicht nur ihrer Familie dröhnten. In völlig unerwarteten Kreuzungen aus Populärkultur, Denken und Autobiografie wird hier ein Bogen über das Jahrhundert gespannt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.11.2001

In "Film und Verhängnis" wirft Ilse Aichinger, eine der "luzidesten Prosa-Autorinnen" der deutschen Sprache, so Friedhelm Rathjen, Blitzlichter auf ihr eigenes Leben, und zwar in den Jahren 1921 bis 1945, in einer Zeit, in der sie einen Großteil ihrer Familie im KZ verloren hatte und ihr allein das Kino als ein "Ort der Unordnung" erschien, der ihr ein wohltuender Gegenpol zum ordentlichen Nazi-Staat war, schreibt der Rezensent. Die Fragmente, die die Autorin bewusst nicht in eine chronologische Ordnung gebracht hat, findet Rathjen dicht und suggestiv. Den autobiografischen Skizzen ist ein "Journal des Verschwindens" beigefügt, eine Sammlung aus Filmkritiken und Bildbeschreibungen, deren Qualität für den Rezensenten zwar nicht an die "Blitzlichter" heranreicht, aber die er zu deren Untermauerung trotzdem gerne gelesen hat.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 31.10.2001

Andreas Nentwich bespricht das Buch Film und Verhängnis von Ilse Aichinger. Wer von diesem Sammelband mit Prosatexten "Autobiografisches" erwartet, wird enttäuscht, erklärt der Rezensent. Das Buch biete weniger Lebensbeschreibung als "Luftspiegelungen eines Lebensspiels". Das Kino diene der Autorin dabei als "Chiffre" für "das Moment des Verschwindens" im menschlichen Dasein, so Nentwich beeindruckt. Das Buch, das sowohl Kinoeindrücke, Texte über Fotografien als auch eine Beschreibung Wiens in der Vorkriegszeit enthält, belegt für den Rezensenten eindrucksvoll die Tendenz der Autorin zum Schweigen und zum Verstummen. Dabei sei der Band auch ein "Journal des Verschwindens", nicht zuletzt deshalb, weil er auf den ersten 50 Seiten von Personen handele, die von den Nazis deportiert wurden. Am meisten aber haben es dem Rezensenten die Prosatexte zu Bill Brandts Fotos "Menschenkinder" angetan, die er "wunderbar" findet.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.10.2001

In dieser Sammlung biografischer Notizen findet die Rezensentin Christiane Zintzen (wie auch in den Filmglossen "Journal des Verschwindens") Ilse Aichingers "Wien-Topografie" wieder. Die Texte seien allerdings weder Essays noch Kritiken, sondern vielmehr "Beziehungsgeschichten zwischen Subjekt und Film", in denen es darum gehe, wie der Mensch im Film Zuflucht und Distanz zu sich selbst finde. Als wohltuend empfindet die Rezensentin hier wie auch in den "Journalen" das Zusammenspiel von Schärfe und Gelassenheit, und sie befindet begeistert, dass es sich bei diesen Werken Aichingers um "etwas Großes" handelt, "welches seinesgleichen weder suchen mag noch finden kann".

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