Klappentext

In den fast zwanzig Jahren nach Erscheinen seines Essaybands "Eine Reise in das Innere von Wien" hat Gerhard Roth unermüdlich weiter die Stadt erforscht, in der er seit vielen Jahren lebt. Seine neuen Erkundungen führen ihn hinter die Kulissen des Naturhistorischen Museums und der Nationalbibliothek, durch das k.k. Hofkammerarchiv und die Wunderkammern der Habsburger, durch die Sammlung anatomischer Wachsmodelle des Josephinums und ins Gerichtsmedizinische Museum, ins Uhrenmuseum und über den Zentralfriedhof. Die Zeit und der Tod sind die Leitmotive dieses Schreibens, im Mittelpunkt aber steht immer der Mensch.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.01.2010

Als "beeindruckendes Buch über die schönste Stadt Mitteleuropas" und "scharfzüngige Analyse europäischer Gegenwart" feiert Insa Wilke diesen "skurrilen" literarischen Reiseführer von Gerhard Roth durch Wiens Archive und Museen, der sie hier außerdem erneut als "Fraktalkünstler" begeistert hat. Denn ihrem Eindruck zufolge setzt Roth "das große Ganze" aus Miniaturen zusammen, verbindet epische Breite mit einem zergliedernden Blick. Tief grabe Roth sich an oft ungewöhnlichen Erinnerungsorten beispielsweise in die Psyche der Stadt und entwerfe dabei europäische Sozial- und Kulturgeschichte. Andere Essays seien Reisen durch die Zeit oder kompilierten klug Zitate aus Forschungs- und Populärliteratur. Auch mit einer "unfassbaren Materialfülle" wartet Roth den Informationen der Kritikerin zufolge auf, mit der Roth, wie sie schreibt, zeitlose Gestalten des Wissens zeichne und ganz nebenbei Wien wie die Nachtschrift der Blinden entziffern würde.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 01.12.2009

Rezensentin Anja Hirsch folgt Gerhard Roth bereitwillig durch Wien und lässt sich bei seinen Erkundungsgängen durchs Uhrenmuseum, im Gespräch mit einer Mitarbeiterin des Naturhistorischen Museums, im Blindeninstitut oder im Flüchtlingslager Traiskirchen in das geheimnisvolle "Wurzelgeflecht" der Stadt einweihen. Durch seine Romane bereits an die "wuchtigen Wissenslabyrinthe" gewöhnt, die der österreichische Autor zu durchschreiten pflegt, lässt sich die Rezensentin gelassen auf die Flut von Fakten, Beobachtungen und Reflexionen ein. Und dann geschieht es, wenn man Glück hat, dass aus den Einzelbetrachtungen die Querverbindungen ganz von selbst hervortreten, verspricht die Rezensentin. Wer sich also von dem "Ballast an Fakten" nicht erdrücken lässt, für den klingen Roths Wienerkundungen noch lange nach, versichert Hirsch.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.10.2009

Für Andreas Dorschel bringen diese ursprünglich als Zeitungsbeiträge erdachten Texte durch die Einhaltung von Form und Inhalt sogar die Gesten Gehörloser zum Klingen. Wenn Gerhard Roth über das Wiener Gehörloseninstitut schreibt, über das Uhrenmuseum oder die Nationalbibliothek, mit Witz und abschweifender Fantasie, so ist das für Dorschel nicht etwa das Gegenteil von Aufmerksamkeit. Aus der Hinwendung zum scheinbar nur Unterhaltsamen, bei Roth gepaart mit der Sorgfalt des Formulierens, erwächst für Dorschel das Gegenwärtige als erhellender Zerrspiegel des Lesers selbst.
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